Sardinien, die Insel der europäischen Schildkröten

Wie in meinem Buch „Sardinien, die Insel der europäischen Schildkröten“ bereits ausführlich beschrieben, ist Sardinien für mich in vieler Hinsicht die faszinierendste Insel im Mittelmeerraum. Ihre Ausstrahlung ist kaum in Worte zu fassen. Die Landschaft ist in ihrer Vielfalt einzigartig. Die langen in den Farben unterschiedlichen Sandstrände mit dem azurblauen bis türkisfarbenen glasklaren Wasser, die Dünen und die vielen kleinen Buchten, die felsigen und schroff zerklüfteten Küstenregionen, die flachen Steppen mit den Lagunenseen, die sanften macchieüberzogenen Hügellandschaften, faszinieren ebenso wie die weiten bewaldeten Hochebenen, die majestätischen Tafelberge, die vielen kühnen Vulkankegel und die steilen fast alpinen Gebirgsmasive.

Tetsudo hermanni hermanni auf einer Frühlingswiese.
Camping direkt am Sandstrand
Pinienwald am Meer
Sandstran soweit das Auge reicht.
Felsenstrand in der Gallura
Sanddüne
Felsige Küstenregion im Nordosten.

Sardinien besticht jedoch nicht nur durch diese vielschichten abwechslungsreichen Landschaften, sondern für uns Schildkrötenfreunde vor allem auch durch das Vorkommen von drei verschiedenen Landschildkröten- und einer Sumpfschildkrötenart.

Die zahlreichsten Vertreter stellt hierbei die Nominatform der Griechischen Landschildkröte Testudo hermanni hermanni.

Die meisten Tiere haben eine auffallend gelbe Kopfzeichnung und einen großen Subokularfleck.

Eine leichte Höckerbildung ist bei vielen T.h.h. auf Sardinien mittlerweile normal. Die Ursache liegt in den seit Jahrzehnten immer mehr ausbleibenden Regenfällen und die dadurch im Sommer entstehende erhebliche Trockenheit, besonders in den Küstengebieten im Nordwesten. Hier werden in besonders trockenen Sommern oft viele, regelrecht vertrocknete Schildkröten vorgefunden. Unzählige leere Panzer dieser Tiere liegen noch lange in der Macchia herum.

Sarda13.jpg
Sarda12.jpg
Sarda11.jpg
Sarda14.jpg
Sarda9.JPG
Sarda10.jpg
Sarda8.jpg
Sarda7.JPG

Weniger Zahlreich und örtlich begrenzt vertreten ist die Breitrandschildkröte Testude marginata.

Sarda17.jpg
Sarda21.jpg
Sarda23.jpg
Sarda19.jpg
Sarda18.jpg
Sarda16.jpg
Sarda22.jpg
Sarda20.jpg

Die aufgrund ihrer extremen Wärmebedürftigkeit nur in wenigen Gebieten vorkommenden Maurische Landschildkröte Testudo graeca graeca stellt die kleinste Zahl an Individuen.

Sarda34.jpg
Sarda32.jpg
Sarda33.jpg
Sarda30.jpg
Sarda35.jpg
Sarda36.jpg
Sarda31.jpg
Sarda29.jpg

Die einzige Vertreterin der wasserbewohnenden Arten ist die sardische Unterart der Europäischen Sumpfschildkröte, die Sardische Sumpfschildkröte Emys orbicularis capolongoi.

Sardaemy.jpg

Das weitaus größte Verbreitungsgebiet auf Sardinien hat die Griechische Landschildkröte.

Das typische Habitat der westlichen Unterart ist die meernahe Garrigue.

Meernahe Garrigue
Kalksteinschotter
Meernahe Garrigue

Testudo hermanni hermanni kommt jedoch genauso in den sandigen Küstenregionen …

Sandige Küstenregion
Meernahe Ebene
Meernahe Hügelketten

… in meernahen Ebenen …

… mit angrenzenden Hügelketten,

T.h.h. in einem Flusstal.
Zerstörter Lebensraum Weinberg..jpg
Olivenhein
Bildmitte T.h.h. in einer Hochebene

in Flusstälern, bewirtschafteten Kulturflächen und in landeinwärts liegenden Schluchten und Hochebenen bis etwa 800 Meter Höhe vor.

Grundsätzlich leben adulte Schildkröten in anderen Gebieten als Schlüpflinge und juvenile Tiere.

Meernaher_Hügel.jpg
Werberitual.jpg
Kopulation.jpg
Meernahes Legegebiet
Schlüpfling im Pflanzenfilz
Wenige Tage alte Schlüpflinge.
Zwei Schlüpflinge im Pflanzenspreu.
2 Schlüpflinge auf Futtersuche.
2 Geschwister im Pflanzenspreu.Schluepfling.jpg
Jungtier beim Fressen von jungen Blättern.
Schlüpflinge beim Fressen von Keimlingen.

Jungtiere brauchen, um nicht auszutrocknen, ein wesentlich feuchteres Habitat.

Klassisches Legegebiet, Senke in Meernähe.
Eiablage

Diese feuchteren Bereichen werden von den Weibchen aus der ganzen Umgegend zur Eiablage benutzt.

Legegebiet
Legegebiet
Schlupf aus der Eigrube.
Schlupf aus der Eiogrube.
Klassischer Marginatahang in der Gallura.
Marginata auf einer Macchialichtung.5.jpg
Marginata am Fuß eines felsigen Hanges.
Marginata in einer Sanddüne.
Marginata zwischen Felsen.
Marginata vor einer weiten Berglandschaft.pg
Marginata im Unterholz.

Die Breitrandschildkröte wurde in vorchristlicher Zeit von Seefahrern aus Griechenland, über den Seehafen Olbia eingeführt. Auch heute noch beschränkt sich die Verbreitung von Testudo marginata in etwa auf das Gebiet der Gallura und ist kaum weiter als 50 Kilometer Luftlinie von der Hafenstadt entfernt.

Die Gallura gleicht mit ihren felsigen Hängen die in sandige Uferbereiche übergehen exakt den Vorkommensgebieten in Griechenland.

Sandiges meernahes Habitat.
Kalksteinhaltiges Habitat.
Polsterartig überwuchtertes Habitat.
Mittelmeerzwergpalme

Aufgrund ihrer Wärmebedürftigkeit beschränkt sich das Verbreitungsgebiet der Maurischen Landschildkröte auf wenige kleinere Gebiete im Westen und Süden der Insel. Meernahe trockene Dünenlandschaften sind von polsterartig wachsenden, teils sehr stacheligen Büschen durchzogen.