© 2020 Wolfgang Wegehaupt

Phänomen Prägung

Ein Begriff der immer wieder für Verwirrung sorgt und gern auch falsch interpretiert wird.

Diese fünf Einjährigen habe ich in einem Flusstal in der Toskana unter einem Holzbrett eng beieinander sitzend vorgefunden.

Schildkröten werden bereits in der Eigrube durch den eigenen Geruch auf ihre Art geprägt. Nach dem Schlupf halten sich die Schlüpflinge noch über Jahre hinweg in den Eiablagegebieten in unmittelbarer Nähe ihrer Eigrube auf und suchen den engen Kontakt zu ihren Geschwistern und später auch zu Artgenossen.

Jede Schildkrötenart auch Unterarten haben Ihren eigenen Geruch.

Diese beiden Zweijährigen habe ich in der Toskana unter einem "Deckel" vorgefunden. Offensichtlich der Unterschlupf in den Tunnelgänge gegraben waren.

Witterung aufnehmen über die Luft.

Witterung, Feuchtigkeit oder Temperatur aufnehmen.

Geschwister auf Erkundungstour.

Das Paarungsverhalten bedingt eine ganze Reihe von Schlüsselreizen und zwar nach der Reihenfolge Form/Größe – Geruch – Paarungsritual. Stimmt der Geruch nicht, kommt es bei wildlebenden europäischen Landschildkröten auch zu keinem Paarungsritual. Die äußere Erscheinung und das Paarungsritual sind in den Grundzügen angeboren.

Es ist deshalb ausgeschlossen, dass in freier Natur lebende Schildkröten Steine, Turnschuhe oder Plastikschildkröten bespringen. Das machen sie nur in Menschenobhut und nur, wenn sie einzeln aufgewachsen sind.

Meine Tiere interessieren sich ausgiebig für alles Neue, das ins Gehege gelangt und beriechen alles ausgiebig. Schildkröten differenzieren über den Geruchssinn nicht nur Artgenossen, sondern Vieles, auch Futter, Temperaturen, Feuchtigkeit…

Das Thema Prägung, das Verhalten der Schlüpflinge in der Eigrube, nach dem Schlupf und das Abwandern der Jungtiere aus den Legegebieten ist ausführlich in meinem Buch „ Europäische Schildkröten, Lebensraum und Lebensweise“ beschrieben und auch bebildert.

Nachstehend zwei Auszüge aus dem Buch von Professor Dr. Peter Kappeler, Verhaltensbiologie, erschienen 2006 im Springer-Verlag Berlin, ISBN 3-540-24056-X:

„Prägung. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Verhalten und Gene während der Entwicklung aufeinander abgestimmt sind, stellt das Phänomen der Prägung (imprinting) dar. Es handelt sich dabei um einen Prozess, bei dem während eines genetisch festgelegten Zeitfensters, einer sensiblen Phase, bestimmte Reize nachhaltige, oft irreversible Verhaltensmuster induzieren (Immelmann 1972). Hier wird dem Organismus sozusagen genetisch vorgegeben, wann er was lernen kann. Prägung wurde hauptsächlich bei Vögeln untersucht..........“

„ Prägungsähnliche Lernvorgänge wurden bei anderen Arten auch in weiteren Funktionszusammenhängen beschrieben. Pazifische Lachse (Oncorhynchus ssp.) werden über den Geruch auf das Gewässer geprägt, das sie nach Jahren im offenen Ozean zur eigenen Eiablage wieder aufsuchen (Dittman u. Quinn 1996; Kapitel 4.3). Bei der Entwicklung von Präferenzen von Insekten, Vögeln und Säugetieren für bestimmte Habitattypen (Kapitel 5.1) oder Nahrung (Kapitel 5.3) sind vermutlich ebenfalls prägungsähnliche Vorgänge beteiligt..........“

 

 

Hier noch ein Link zum Phänomen Prägung:

Wikipedia

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