Toskana

Die Toskana hat mich schon immer besonders fasziniert. Nicht nur, aber doch auch wegen der Schildkröten. Vom Bodensee aus sind es bis zu den ersten Habitaten knapp 600 Kilometer. Als „Nahziel“ für das Studium meiner Lieblingstiere also ideal.

In der Toskana gibt es drei Habitatstypen, die meernahen Pinienwälder mit den vorgelagerten Sanddünen, ...

 ... Macchiaflächen entlang von Flußtälern ...

...  und lichte Stein- und Korkeichenwälder mit niederem Unterwuchs.

Noch in meiner Jugendzeit kamen die Schildkröten in diesen Gebieten flächendeckend vor. Das hat sich in den darauffolgenden Jahren aufgrund der Urbanisierung und der Ausbreitung der landwirtschaftlichen Nutzung extrem geändert. Insbesondere in den im Sommer stark vom Tourismus frequentierten meernahen Dünenbereichen und den angrenzenden, von den Touristen großflächig als Picknickplätze genutzten Pinienwäldern, waren nur noch einzelne Schildkröten anzutreffen. Nur in Landstrichen, welche aufgrund ihrer Lage oder Beschaffenheit für den Tourismus und die Landwirtschaft nicht geeignet sind, hatten sich mehr oder weniger stabile Insel-Populationen halten können.

Seit Ende der 1990er Jahre sind jedoch auch diese Vorkommen bereits weitgehend erloschen. Nicht nur durch die weitere Zerstörung des Lebensraumes aufgrund landwirtschaftlicher oder touristischer Nutzung. Auch nicht durch Naturkatastrophen, wie etwa die jährlich wiederkehrenden Brände oder die durch extremes Hochwasser immer wieder weggeschwemmten Flusshabitate.

Tatsächlich sind es seit vielen Jahren die immer mehr zunehmenden Wildschweine die diese letzten Schildkrötenpopulationen geradezu ausrotten. Wildschweine pflügen bei der Suche nach fressbarem großflächig Erdflächen um und finden hier auch Schildkröten die sie mitsamt dem Knochenpanzer fressen. In jedem Habitat finden sich extrem viele, großflächige Wühlspuren von Wildschweinrotten. Früher fand man in diesen umgewühlten Flächen hin und wieder noch Teile von Knochenpanzern oder halb gefressene Schildkröten. Heute sieht man das nicht mehr. Wo nichts mehr lebt, kann auch nichts mehr gefressen werden. Auffällig ist auch die starke Zunahme der Stachelschweine. Die Bauern schützen Ihre Felder schon seit einigen Jahren mit Elektrozäunen.

 

Wie um den Seehafen Olbia auf Sardinien, wurden von vorchristlichen Seefahrern auch in der Toskana im Hafen Livorno Breitrandschildkröten aus Griechenland ausgesetzt. Allerdings ist der „Livorno-Population“ vom massiven Tourismus und dem umfangreichen Straßenbau bereits seit vielen Jahrzehnten der Großteil ihres Lebensraumes entzogen worden. Von den vormals in einem Umkreis von 30 Kilometern um den Seehafen vorkommenden Breitrandschildkröten lebten noch vor wenigen Jahren vereinzelte Tiere neben den dort heimischen T.h.hermanni in meernahen eingezäunten und von der Corpo Forestale bestreiften Schutzgebieten. Dort werden zwar nicht speziell die Schildkröten geschützt, sondern die Natur in ihrer Gesamtheit. Wie viele andere Schutzgebiete handelt es sich in erster Linie jedoch um Vogelschutzgebiete. Viele Vogelarten leben hier das ganze Jahr über.

Zugvögel nutzen diese als Winterquartier oder Sommernistplatz. Ursprünglich dachte ich, die Breitrandschildkröten hätten hier gute Voraussetzungen wieder stabilere Populationen zu bilden. Auch wenn diese durch die inselartigen Schutzgebiete stark eingeengt wären. Wie ich in den zurückliegenden Jahren aber feststellen musste, ist das leider nicht der Fall. Trotz intensiver Suche fand ich in mehreren Gebieten, in denen ich Restvorkommen kannte, schon lange keine einzige Breitrandschildkröte mehr.

In den 1990er Jahren habe ich in einem damals noch intakten relativ ursprünglichen Schildkrötengebiet regelmäßig im Frühjahr und im Herbst, Schildkröten vermessen und gewogen. Um die Schildkröten einfacher altersmäßig einzuordnen habe ich jeweils mehrere Tiere aus dem Legegebiet zusammengetragen. Eine exakte Altersbestimmung war bei bis sechsjährigen Schildkröten durch die vielen Vergleichsexemplare problemlos möglich.

Leider wurden auch dort die Schildkröten durch die Wildschweine bereits ausgerottet.

© 2020 Wolfgang Wegehaupt

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