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© Manuel Wegehaupt


 

 

Die Winterstarre

 


Allgemeines

Die Winterstarre gehört für alle europäischen Landschildkröten zum natürlichen Jahreszyklus. Für weibliche Tiere ist sie zwingend erforderlich, da diese sonst unfruchtbar werden können.
Überwinterte Schildkröten sind wesentlich widerstandsfähiger, lebhafter und kontrastreicher gefärbt.
Grundsätzlich halten die westliche Unterart und die aus den wärmeren Gebieten stammenden Tiere der östlichen Unterart eine kürzere Winterstarre von etwa drei Monaten.
Die in etwas höher gelegenen Gebieten im Landesinneren lebenden Tiere der östlichen Unterart sind an eine fünfmonatige Winterstarre gewöhnt, weil dort teilweise schneereiche länger anhaltende Winter herrschen.

Landschildkröten sind, auch wenn sie in Gefangenschaft nachgezüchtet wurden, in keiner Weise anpassungsfähig.

Auch Jungtiere brauchen diese winterliche Abschaltung des Stoffwechsels, da sie sonst unnatürlich schnell wachsen und in der Folge erkranken würden.


Schildkröten sind als wechselwarme Reptilien ausschließlich auf Wärmeeinstrahlung von außen angewiesen. Ist diese Strahlungswärme nicht vorhanden, sind die Tiere träge und starr, fast unfähig sich zu bewegen. Sämtliche Stoffwechselvorgänge laufen langsamer und vor allem unvollständig ab.

Ganzjährig im Freiland gehaltene Tiere bereiten sich wie in der Natur selbstständig auf die Winterstarre vor. Durch die zunehmend sinkenden Temperaturen, insbesondere nachts, sowie die natürliche Reduzierung des Tageslichtes, fressen die Schildkröten von selbst weniger und entleeren ihren Darm bis sie das Fressen vollkommen einstellen und bei entsprechend niederen Temperaturen schließlich in die Winterstarre fallen. Die Körpertemperatur sinkt entsprechend der Umgebungstemperatur ab, sodass alle Aktivitäten auf ein absolutes Minimum gedrosselt werden. Die Herzfrequenz beträgt bei der Griechischen Landschildkröte bei etwa 5° C Körpertemperatur nur noch vier Schläge in der Minute.

Die oft vertretene Meinung, dass sich Schildkröten Fett anfressen müssen, um den Winter zu überstehen, ist fatal. Genau das Gegenteil ist der Fall! Der Organismus versucht, bei zunehmender Wärme im Frühjahr, aber auch bei zu warmer Überwinterung Fett abzubauen. Der Stoffwechsel setzt bei etwa 8° C ein. Aufgrund der ungenügenden Stoffwechseltemperatur findet aber keine Verwertung statt. In der Leber werden daher Ketonkörper gebildet. Diese führen zu einer Säurevergiftung. In der Folge fallen die Tiere ins Koma, was bei Schildkröten immer den Tod bedeutet.

Ein Gewichtsverlust während der Winterstarre hat nichts mit Fettverbrennung zu tun. Dieser ist ausschließlich auf einen Flüssigkeitsverlust wegen zu trockener Überwinterung zurückzuführen. Bei genügend feuchtem Überwinterungssubstrat sollte das Gewicht nahezu gleich bleiben. Es kann in Ausnahmefällen sogar vorkommen, dass die Schildkröten infolge von Flüssigkeitsaufnahme durch die Haut nach der Überwinterung wenige Gramm zugelegt haben. 


Je nach Herkunftsgebiet sollten die Schildkröten möglichst bis Mitte November im Frühbeet bleiben und dort auch, wie beschrieben, warm gehalten werden bis sie sich selbst in ihrem Unterschlupf eingraben. Die einzelnen Tiere können hierbei auch den für sie besten Zeitpunkt, wie in der Natur, selbst bestimmen und werden trotz tagsüber angebotener Wärme nicht mehr fressen und ihren Darm entleeren.
Die Vorbereitung der Winterstarre wird durch inneren Instinkt, kürzere Tage und sinkende Nachttemperaturen, bestimmt. Männchen halten in der Natur eine kürzere Winterstarre als die Weibchen, weshalb sie im Herbst länger und im Frühjahr früher aktiv sind.


Überwinterungskiste


Sind alle Tiere verschwunden und die Temperaturen dauerhaft tief, werden die Schildkröten vorsichtig ausgegraben und in die Überwinterungskiste gesetzt. Hierbei dürfen die Tiere keinen zu großen Temperaturschwankungen ausgesetzt werden. Der Abend ist hierfür die beste Zeit.

Als Überwinterungskiste ist bei adulten Tieren zunächst einmal jedes etwa 60 x 60 x 60 cm große Behältnis geeignet. Die viel zitierte nachlässig gezimmerte Holzkiste kann, muss aber nicht sein. Wir orientieren uns wieder an der Natur. Dort vergraben sich die Schildkröten auch mehr oder weniger tief im lockeren Erdreich ohne dass Lüftungsschlitze vorhanden wären.
Außerordentlich wichtig ist die ständige Feuchtigkeit, weil die Tiere sonst austrocknen würden. Auch aus diesem Grund sollte der Behälter nicht zu klein bemessen sein, weil das Substrat in einem kleinen Behälter schneller austrocknet. Gut geeignet sind sogenannte Mörtelwannen aus dem Baumarkt. Die „Überwinterungskiste“ wird aus einem Gemisch aus erdfeuchtem, keinesfalls aber nassem Gartenboden, etwas Flusssand und Buchenlaub etwa 20 cm hoch aufgefüllt. Hier wird die Schildkröte darauf gesetzt und mit Buchenlaub abgedeckt. Das Buchenlaub sollte möglichst nach einem Regen gesammelt und etwas angetrocknet sein, damit es nicht zu ausgetrocknet ist.

Zum Schutz vor Nagetieren und damit die Schildkröte beim Herumkrabbeln nicht herausfallen kann, wird die Kiste oben mit einem Drahtgewebe abgedeckt. 

Das Behältnis wird an einen Ort mit Temperaturen zwischen 3 und 7° C gestellt und darauf geachtet, dass das Substrat nicht austrocknet. Es muss immer leicht feucht, darf aber nicht nass sein. Dauerhaft dürfen die Temperaturen keinesfalls über 8° C steigen und natürlich auch nicht an die Frostgrenze heranreichen. Besonders für kleine Schildkröten ist Frost lebensgefährlich. Der Einsatz von einem digitalen Thermometer mit Außenfühler, welcher direkt in das Substrat zur Schildkröte gesteckt werden kann, ist sehr zu empfehlen.
In den Übergangszeiten sowie bei einem Wärmeeinbruch im Winter sind kurzfristige Temperaturschwankungen bei artgerecht ernährten Tieren kein Problem. Auch im Mittelmeerraum sind die Lufttemperaturen gewissen Schwankungen unterworfen. Allerdings dauert es eine ganze Weile, bis sich schwankende Lufttemperaturen im Boden auswirken, sodass die Überwinterungstemperatur auch dort relativ konstant ist.

Humose Gartenerde ist reich an Mikroorganismen und schimmelt nicht. Buchenlaub ist widerstandsfähig gegen Verrottung und gibt keine schädlichen Inhaltsstoffe ab. Eichen- oder Nusslaub geben schädliche Gerbsäure ab.


Überwinterung im...

...Kühlschrank

In den letzten Jahren hat sich bei Schildkrötenhaltern, welche keinen geeigneten kühlen Raum zur Verfügung haben, die Überwinterung in einem Getränkekühlschrank bewährt.
Es sind jedoch nur wirklich neue Modelle, die möglichst erschütterungsfrei laufen, geeignet. Schildkröten reagieren durch ihren seismischen Sinn sehr empfindlich auf die Erschütterung beim Ein- und Ausschalten sowie auf ein ständiges Brummen der Aggregate.

Je nach Größe des Kühlschrankes können nur kleinere Plastikboxen verwendet werden. Die Füllung der Überwinterungskisten ist immer die Gleiche. Durch das Verdampfungsprinzip trocknet das Substrat im Kühlschrank jedoch relativ schnell aus. Es muss deshalb ständig für ein feuchtes Klima gesorgt werden. Am besten legt man nasse Tücher zwischen die Boxen und feuchtet diese immer wieder an.
Um frischen Sauerstoff zuzuführen, muss alle paar Tage kurz die Tür geöffnet werden.


...Lichtschacht

Hauptsächlich neuere Häuser verfügen heute über keinen kalten geeigneten Kellerraum mehr, sodass andere Möglichkeiten zur Überwinterung gefunden werden müssen.
Eine gute Alternative stellen Lichtschächte dar. Diese befinden sich außerhalb des beheizten Hauses und sind durch die Nähe zum Haus nicht direkt dem Frost ausgesetzt. Die Schächte müssen gegen einfallenden Regen entsprechend geschützt werden. Zusätzlich ist eine Abdeckung von oben mit Styropor oder ähnlichem Material gegen zu starke Kälteeinwirkung zu empfehlen.
In den Lichtschacht können die Schildkröten mitsamt der Überwinterungskiste gestellt werden. Besonders bei dieser Überwinterungsmethode ist eine ständige Temperaturmessung mit einem digitalen Außentemperaturmesser erforderlich. Bei langanhaltenden Frostperioden kann über die geöffneten Kellerfenster Wärme in den Lichtschacht geführt werden.



...Frühbeetkasten

Ebenso ist eine Überwinterung im Frühbeetkasten selbst durchaus möglich. Hierzu sollte unter der Schutzhütte eine mit einem engmaschigen Draht gegen eindringende Nager gesicherte mindestens 80 cm tiefe Grube ausgehoben und unter dieser eine Drainage mit grobem Kies eingebracht werden. Aufgefüllt wird die Grube wieder mit dem Gemisch aus humoser Gartenerde, Sand und Buchenlaub Die Schildkröten werden sich wie gewohnt selbst in die Schutzhütte zurückziehen und bei entsprechenden Temperaturen in der Grube eingraben. Durch ihren Instinkt angetrieben graben sich die Schildkröten trotz Winterstarre je nach Temperatur mehr oder weniger tief ein und suchen sich so in der entsprechenden Bodenschicht die ideale Überwinterungstemperatur. Zur Isolierung wird die gesamte Schutzhütte von innen mit Buchenlaub aufgefüllt und zusätzlich großzügig mit Buchenlaub eingepackt bzw. der gesamte Frühbeetkasten mit Buchenlaub gefüllt.
Die erforderliche Feuchtigkeit regelt sich hier von selbst, da durch den Bodenschluss mit dem umliegenden Gartenboden die Grube automatisch ständig erdfeucht gehalten wird.
Der Frühbeetkasten sollte zum Schutz gegen Regen und Schnee und somit vor eindringender Nässe mit einer Plane abgedeckt werden.


...Gewächshaus

Zusammen mit der Überwinterung im Frühbeetkasten ist die Überwinterung im Gewächshaus sicher für die Tiere die natürlichste Art. Die Schildkröten graben sich in ihrer gewohnten Umgebung ein und wachen auch dort wieder auf. Eine Überwachung der Schildkröten und die Regelung der Temperatur ist jedoch nur im Gewächshaus möglich. 

Rechtzeitig im Herbst wechsle ich das Stroh in den Schlupfkästen im Gewächshaus gegen Buchenlaub aus. Das ist die ganze Vorbereitung. Die Halogenscheinwerfer brennen noch täglich, allerdings zeitlich immer mehr reduziert und den Sonnenstunden im natürlichen Lebensraum angepasst, bis sich das letzte Tier im Boden eingegraben hat.


Ende der Winterstarre

Im Frühjahr graben sich die Schildkröten, angetrieben durch ihren inneren Instinkt und die steigenden Temperaturen, wieder an die Oberfläche.
Aus der Überwinterungskiste werden die Schildkröten bereits im März vorsichtig ausgegraben, in ihren frisch gerichteten Unterschlupf im Frühbeetkasten gesetzt und mit Stroh oder Laub abgedeckt. Damit auch hierbei kein zu großer Temperaturunterschied entsteht, wird dieses Umsetzen am besten nachts vorgenommen.

Nachdem die Nachttemperaturen mit dem Elsteinstrahler auf ca. 15° C angehoben wurden und auch tagsüber die Halogenscheinwerfer für ausreichend Wärme sorgen, wird bald die erste Schildkröte auftauchen und sich unter dem Licht erwärmen.

An sonnigen Tagen wird der Frühbeetkasten geöffnet, so dass sich die Schildkröten im Kasten sonnen und diesen für die ersten Erkundungsgänge auch verlassen können.

Nach der Winterstarre ist es wichtig, dass die Schildkröten gebadet werden. Nur so trinken die Tiere ausgiebig und können ihren Flüssigkeitshaushalt wieder ins Lot und ihren Stoffwechsel wieder in Schwung bringen. Ich habe hierbei mit ca. 30° C warmen Kamillentee gute Erfahrung gemacht.
Achten Sie darauf, dass die Tiere beim Baden keinem Zug ausgesetzt sind und trocknen Sie die Schildkröten nach dem Baden sorgfältig ab. Die Tiere dürfen jedoch erst gebadet werden, wenn sie von selbst wieder aktiv sind!

Auch in der Natur trinken die Tiere nach der Winterstarre ausgiebig. Es ist zwar richtig, dass keiner die Tiere dort badet, aber im Wasser sitzen sie auch im natürlichen Lebensraum in dieser Zeit. Im Durchschnitt regnet es im Februar in Mittelitalien an 10 Tagen und im März an 11 Tagen im Monat. Wer so einen Regen im Süden miterlebt hat, der weiß, dass sich dieser nicht über den ganzen Tag erstreckt wie bei uns, sondern dass die Wolken in kürzester Zeit alles fallen lassen was sie haben und anschließend die Sonne wieder scheint. Sicher, es gibt im Süden auch andere Tage, aber das ist nicht die Regel. Die Schildkröten sitzen nach so einem Wolkenbruch auch im Wasser und trinken badend.
Es ist also keinesfalls unnatürlich, dass wir unsere Schildkröten von Zeit zu Zeit in eine Schüssel setzen und die Tiere dort badend trinken lassen. Die Schildkröten gewöhnen sich bald daran und lassen diese Prozedur, wie den Gewitterregen in der Natur auch, sicher relativ stressfrei über sich ergehen. Den südlichen Regen gibt es bei uns leider nicht. Unser Regen dauert meistens Tage und die Temperaturen kühlen so stark ab, dass unsere Schildkröten diese Zeit in der trockenen Schutzhütte verbringen und eben nicht natürlich gebadet werden.

    

  

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