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© Manuel Wegehaupt


 

 

Die Schildkrötenzucht

 Schlüpfling vom 10.07.2002

   

    

     

    

 

   Der erste Riss in der Eischale zeigte sich am 9.7.2002 gegen 16.00 Uhr, nach 60 Tagen Zeitigung bei einer Temperatur von 33° C. Am Morgen des 10.7 entstand die erste Aufnahme. Der Schlupf erfolgte gegen 17.00 Uhr, das Ei war 36 mm lang und 24 mm breit, der Schlüpfling wog 12 gr. Gut erkennbar ist die Bauchfalte und der fast geschlossene Bauch,  an dem sich der Dottersack befand.

Die Krönung jeder Tierhaltung und der lebende Beweis für eine artgerechte Haltung und Ernährung ist und bleibt der 100 %ige Vermehrungserfolg.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Vermehrung ist eine naturnahe artgerechte Haltung und eine kalte Überwinterung der Schildkröten.

 

Das Werberitual der Männchen

Kurz nach der Winterruhe beginnen die Männchen die Weibchen zu umwerben. Dieses Werberitual ist für menschliche Verhältnisse ziemlich grob. Die Weibchen werden verfolgt, umkreist und durch Bisse in die Hinterbeine zum Einziehen der selben und damit zum Anhalten gezwungen.

Das Männchen versucht durch ständige Angriffe von vorne mit Rammstößen, Bissen gegen den Kopf, den Hals und die Vorderbeine das Weibchen dazu zu bewegen, den Kopf und die Vorderbeine einzuziehen und dadurch automatisch den Analbereich aus dem Panzer herauszustrecken. Sobald die vorderen Extremitäten eingezogen sind, versucht das Männchen auf den Panzer des Weibchens aufzusteigen. Hierbei kommt dem Männchen der nach innen gewölbte Bauchpanzer zu Hilfe. Ohne diese Eindellung würde das Männchen auf dem hochgewölbten Rückenpanzer keinen Halt finden. Mit den Vorderbeinen stützt sich das Tier auf dem Rückenpanzer ab.

Ist das Weibchen noch nicht bereit, wird es ständig wieder weglaufen und das ganze Ritual beginnt von Neuem. Bleibt das Weibchen sitzen, reitet das Männchen sofort auf, versucht seinen Schwanz in Richtung Kloake des Weibchens zu schieben und führt sogleich Kopulationsbewegungen aus. Durch die kurzen Stoßbewegungen werden der Kopf nach vorn und die Beine nach hinten gedrückt und dadurch gleichzeitig Luft aus den Lungen ausgepresst. Die hierbei entstehenden pfeifenden Laute haben also nichts mit einer Stimme zu tun, sondern sind die Folge des ruckartigen Auspressens der Lungen.

 

 

Die Kopulation

Die Kopulation gelingt erst wenn auch das weibliche Tier hierzu bereit ist. Das Weibchen hebt den Panzer hinten etwas an und gestattet dadurch dem Männchen seinen Penis einzuführen. Ist ein Weibchen für eine Kopulation nicht bereit, flüchtet das Tier ins niedere Buschwerk oder in den engen Unterschlupf. Das so regelrecht abgestreifte Männchen hat dann keine Chance mehr aufzureiten und versucht sein Glück bei einem anderen Weibchen.

Die Kopulation selbst ist im Gegensatz zum gesamten Werberitual kurz und unspektakulär. Beide Tiere verhalten sich relativ ruhig. Das Männchen ist für kurze Zeit steil aufgerichtet und manchmal sogar leicht nach hinten geneigt.

 

Das Geschlechterverhältnis

Der Sexualtrieb ist nach meinen Beobachtungen unter anderem auch temperaturabhängig. Werberituale sind nur im Frühjahr und wieder im Herbst zu beobachten. Artgerecht in „Wärmeinseln“ gehaltene Schildkröten sind nicht das ganze Jahr über sexuell aktiv sondern leben, wie in der freien Wildbahn, relativ friedlich in einem offenen Verband. In früheren Jahren waren meine Männchen aufgrund zu kalter Haltungstemperaturen das ganze Jahr paarungsaktiv und mussten sogar zeitweise von den Weibchen und auch untereinander getrennt werden.

Allerdings ist es in menschlicher Obhut aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse in den Gehegen erforderlich den Männchenanteil zu reduzieren. Einem Männchen sollten hier drei bis fünf Weibchen gegenüberstehen. Bei diesem Verhältnis wird es in einem ausreichend großen, gut strukturierten Gehege keine Probleme geben.

Wird eine größerer Schildkrötenverband mit mehreren Männchen in einem zu kleinen Gehege gehalten, so kann es erforderlich werden, die Männchen nach der Kopulationszeit im Frühjahr bis zum Herbst von den Weibchen zu trennen. Hierfür sollte ein zweites, auch räumlich getrenntes Gehege zur Verfügung stehen.

Die Männchen führen bei falscher Haltung teilweise untereinander sehr heftige Kämpfe aus die dem Paarungsritual äußerst ähnlich sind. Es kann deshalb auch erforderlich werden die Männer den Sommer über einzeln zu halten.

 

Die Eiablage

Etwa vier bis sechs Wochen nach der Kopulation beginnen die Weibchen im Gehege einen geeigneten Eiablageplatz zu suchen. Man kann beobachten, wie die Weibchen verschiedene Stellen mit der Nase auf Temperatur und Feuchtigkeit prüfen und manchmal auch Probelöcher ausheben.

Wird kein geeigneter Platz gefunden werden die Weibchen unruhig und versuchen auch aus dem Gehege auszubrechen.

Ist ein Platz gefunden, beginnt das Tier mit den Hinterbeinen Stück für Stück eine kleine etwa 10 bis 15 cm tiefe Grube auszuheben. Es ist für mich jedes mal erstaunlich wie geschickt die Tiere mit ihren plumpen, dem ersten Eindruck nach nicht zum Graben geeigneten Hinterbeinen, arbeiten.

Die Eier werden hintereinander in recht kurzen Abständen zusammen mit einer schleimigen Flüssigkeit ausgepresst, mit den Hinterbeinen aufgefangen und in der Eigrube solange hin und her geschoben bis sie richtig platziert sind.

Anschließend wird das Nest mit großer Sorgfalt Stück für Stück verschlossen und die einzelnen Bodenschichten durch feststampfen verdichtet. Der Boden über der bereits vollständig verschlossene Grube wird vom Weibchen unter Zuhilfenahme des Panzers mit großer Ausdauer geglättet und immer wieder gestampft bis das völlig erschöpfte Tier mit wackeligen Beinen einen geschützten Platz aufsucht und sich erst einmal ausruht.

Die Eigruben werden so perfekt geschlossen und teilweise zusätzlich mit herumliegenden Gegenständen getarnt, dass sie anschließend nicht mehr zu erkennen sind.

In der Natur macht dies durchaus Sinn, denn die Eier werden von einigen Säugetieren als Leckerbissen betrachtet und regelrecht aufgespürt.

Im natürlichen Lebensraum unserer Schildkröten findet man in dieser Zeit eine Vielzahl solcher ausgegrabener „Nester“ mit aufgebrochenen und sauber ausgeleckten Eierschalen.

Die Griechische Landschildkröte ist ab einem Alter von sieben bis zwölf Jahren geschlechtsreif.

Die westliche Unterart und die Dalmatinische Landschildkröte legen im Abstand von ca. vier Wochen bis zu zwei mal im Jahr zwischen zwei und max. acht Eier.

Die östliche Unterart legt bis zu drei mal zwischen fünf und zwölf Eier.

Die Eier sind je nach Gelegegröße zwischen 30 und 45 mm lang und 20 bis 30 mm breit.

Insbesondere bei jungen Weibchen ist die Eigröße sehr von der Größe des Geleges abhängig. Je mehr Eier ein Gelege hat, umso kleiner sind die Eier und damit auch die Schlüpflinge. Diese wiegen je nach Eigröße zwischen fünf und zwanzig Gramm.

Die Eier sind weiß und relativ hartschalig. Die Form variiert stark von länglich oval bis fast rund.

 

Die Bergung und Zeitigung der Eier

Hat das Weibchen die Eigrube vollständig verlassen öffne ich diese vorsichtig mit einem Löffel und lege die Eier mit einem Pinsel frei. Früher habe ich die Eier in eine Plastikschale auf normale Gartenerde gelegt und die Oberseite mit einem weichen Bleistift gekennzeichnet. Im Laufe der Jahre habe ich mit vielen verschiedenen Zeitigungsmethoden experimentiert. Zur Zeitigung von vorwiegend Weibchen habe ich die Gelege meiner „Toskana-Population“ bei einer relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 70–80 % und einer Temperatur von 33 °C gezeitigt.

Heute zeitige ich nur noch die ersten 25 Tage mit dieser konstanten Temperatur. Für die verbleibende Inkubationszeit habe ich eine Zeitschaltuhr angeschlossen und diese so eingestellt, dass tagsüber 33 °C bis maximal 35 °C und nachts bis etwa 25 °C erreicht werden. Die Temperatur wird mit einem elektronischen Thermometer mit Außenfühler unmittelbar neben den Eiern gemessen. Zudem decke ich die Eier in den Plastikschalen vollständig mit Substrat ab.

Ein großer Nachteil der meisten Brutapparate ist das Temperaturgefälle im Behälter selbst. Die Temperaturen im Randbereich sind bis zu vier Grad niederer. Seit geraumer Zeit mache ich Versuche mit einem neuen selbstgebauten Brutapparat.

Die Zeitigungsdauer ist in erster Linie von der Temperatur abhängig und verlängert sich bei schwankenden Zeitigungstemperaturen von etwa 58 auf ca. 75 und mehr Tage. In der freien Wildbahn schlüpfen die Jungen wie oben bereits angeführt frühestens nach 90 Tagen.

Wichtig finde ich dass die Eier im Inkubator vollkommen dunkel liegen, weil das der von der Natur vorgegebenen Entwicklung entspricht. Eine offene helle Inkubation stresst die Tiere m. E. bereits während ihrer Entwicklung. Das ist ganz gut daran zu erkennen, dass sehr viele Tiere zu früh und mit unvollständig eingezogenem Dottersack schlüpfen, weil sie sich ihrem angeborenen Reiz folgend bei Lichteinfall aus dem Ei befreien und verbergen wollen. Dunkel und im Substrat vollständig eingegraben inkubierte Schlüpflinge sind von Anfang an wesentlich agiler und langfristig auch widerstandsfähiger. Das können sicher alle Halter bei denen bereits so genannte „Naturbruten“ geschlüpft sind bestätigen.

 

Der Schlupf

Die Schlüpflinge liegen quer zur Längsrichtung im Ei und sind über die Mitte des Bauchpanzers regelrecht zusammengefaltet. Mit dem so genannten Eizahn (Eischwiele) kratzt der Schlüpfling in die Schale zunächst kleine kaum erkennbare Haarrisse. Durch diese Risse dringt Luft in die Eihülle und der Schlüpfling beginnt zu atmen.

In Einzelfällen kann es bis zu mehreren Tagen dauern bis der Schlupfvorgang fortgesetzt wird. In dieser Zeit frisst der Schlüpfling das ihn umgebende Eiweiß fast vollständig auf. Der noch verbliebene Dottersackrest wird in die Bauchhöhle eingezogen und die äußeren Schlupfbedingungen werden geprüft.

Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen und werden die Schlupfbedingungen als optimal angesehen stößt der Schlüpfling  mit dem Kopf ein kleines und unter Zuhilfenahme der Vorderbeine ein größeres Loch in die Eihülle. Dieser Vorgang zieht sich über Stunden hin. Während des bis zu drei Tagen andauernden Schlupfvorgangs beginnt die Entfaltung des Panzers. Durch diese Entfaltung und Drehbewegungen platzen schließlich große Stücke der Eischale weg. Sollte der Dottersack in diesem Stadium noch nicht vollständig eingezogen sein bleibt der Schlüpfling in der geöffneten Eischale sitzen bis der Dottersack vollständig eingezogen und die Bauchfalte geschlossen ist.

Der gesamte Schlupfvorgang kann allerdings auch nur wenige Stunden dauern, wenn die genannten Vorbereitungen bereits in der noch geschlossenen Eischale beendet wurden.

Nach dem Schlupf sind die Tiere zunächst kreisrund. Sie strecken sich jedoch nach wenigen Tagen.

Ist der Schlupfvorgang vollständig abgeschlossen setze ich die Kleinen in eine flache Schale mit gut handwarmem Wasser. Die Tiere tauchen sogleich den Kopf unter und trinken ausgiebig. Nach diesem Bad werden die Schlüpflinge in das Gehege zu den anderen kleinen Schildkröten gesetzt. Dort fangen sie meist schon nach kurzer Zeit an zu fressen und sind sofort auf sich alleine gestellt.

Keine Angst wenn die Tiere nicht gleich fressen. Sie verhungern nicht. Die kleinen Schildkröten können noch über einen längeren Zeitraum von dem in die Bauchhöhle eingezogenen Dottersack zehren.

Aus meiner Praxis ist mir kein einziger Fall bekannt wo sich der Schlüpfling nicht selbst aus dem Ei befreien konnte.

Ich weiß, dass man versucht ist, nach vermeintlich langem Warten ein Ei zu öffnen oder dem Schlüpfling zu helfen wenn er zu lange im bereits geöffneten Ei sitzen bleibt. Üben Sie sich aber in Geduld! Der Schlüpfling bleibt nur solange im Ei bis er vollständig entwickelt ist und die äußeren Schlupfbedingungen für ihn am Besten sind. 

Mit Dottersack geschlüpfte oder aus dem Ei herausgeholte Junge sind sehr leicht und bleiben in der Entwicklung immer zurück!

In der Natur weicht nicht nur die Zeitigung stark von unserer künstlichen Inkubation ab. Auch der Schlupf und die damit zusammenhängenden Folgevorgänge unterscheiden sich stark.

In meinem neuen Buch habe ich diese Vorgänge und auch deren Umsetzung für eine artgerechte Inkubation und Haltung der Schildkröten sehr ausführlich beschrieben.

 Ausheben der Eigrube

   

 

Ablage der Eier

       

 

Schließen der Eigrube

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