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© Manuel Wegehaupt


 

 

Meine Schildkrötengeschichte

Schildkröten begleiten mich nun schon seit über 50 Jahren. Solange ich zurückdenken kann sind Landschildkröten in unserem Garten auf der Wiese herumgelaufen und Wasserschildkröten in einem, damals noch betonierten, Gartenteich geschwommen.

Ich kann mich auch noch sehr gut daran erinnern, dass die Landschildkröten in Schuhkartons bei uns auf der Terrasse standen und tagsüber in einem hasengitterähnlichen Laufstall auf die Wiese durften. Damals wusste mein Vater über die Tiere noch sehr wenig.

Gefüttert wurden die Schildkröten mit Tomaten, Gurken, Bananen, Äpfeln, Pfirsichen, Erdbeeren und vorzugsweise selbst mit Küchenabfällen und Essensresten, wie Nudeln und dergleichen. Man fütterte die Schildkröten sogar mit in Milch eingeweichtem Weisbrot, weil das ja auch die Igel gerne fraßen. Als besonderer Leckerbissen wurde Hackepeter (Gehacktes Schweinefleisch) angeboten. Die Schildkröten liebten diese Ernährung, obwohl sie aus heutiger Sicht völlig ungeeignet war und in den meisten Fällen zum frühzeitigen Tod der Tiere führte.

Natürlich haben die Schildkröten auf der Wiese auch Pflanzen gefressen und bekamen zusätzlich Löwenzahn, Klee und Wegerich, viel mehr Futterpflanzen hat mein Vater und anfänglich auch ich, gar nicht gekannt.

Leider ging damals auch die Unsitte um, die Schildkröten an der Leine zu halten. Hierzu wurde mit einem Handbohrer, Bohrmaschinen gab es noch keine, hinten im Panzerrand ein Loch gebohrt. Das geschah nicht böswillig und schon gar nicht um die Tiere zu quälen. Man machte sich wirklich keine großen Gedanken, sondern nahm fälschlicherweise an, dass es sich beim Panzerrand um totes Gewebe, ähnlich den Fingernägeln handelt. Man wollte nur, dass die ausbruchsfreudigen Schildkröten nicht ständig ausbüchsten und beim Nachbar im Garten herum liefen.

Warum die damals für fünf Mark im Zoogeschäft und sogar auf Wochenmärkten erhältlichen, bereits ausgewachsenen Schildkröten ständig weglaufen wollten, fand ich erst viel später heraus.

Ich habe mich bereits damals sehr um das Wohl unserer Schildkröten bemüht.

Viel konnte ich jedoch nicht in Erfahrung bringen. Der Zoohändler in unserer Stadt wusste nur, dass er seine Tiere nicht, wie damals üblich, aus Griechenland oder Jugoslawien, sondern aus Italien bekam. Dort würden die Schildkröten in Büschen unmittelbar am Meer leben.

Bild1Wie Hunde an der Leine, so wurden früher viele SK gehalten.
Bild2Gebohrtes Loch im Panzer
Bild7 Hier leben die Schildkroeten geschuetzt innerhalb des dichten Buschwerkes

An Literatur stand mir nur ein kleines Heftchen der Lehrmeister Bücherei aus dem Jahr 1956 zur Verfügung.

Die hier enthaltenen Ratschläge waren allerdings aus heutiger Sicht von der natürlichen und damit artgerechten Haltung unserer Tiere noch weit entfernt

SK Lebensraum

So habe ich mich bereits in jungen Jahren für den natürlichen Lebensraum und vor allem auch für die Lebensweise der europäischen Schildkröten in der freien Wildbahn interessiert und zunächst die Italienurlaubsaufenthalte mit meinen Eltern dazu genutzt die Tiere in der Natur aufzustöbern und zu beobachten.

In den Jahren danach waren die meisten meiner Urlaube und später die Urlaubsfahrten meiner Familie von den Schildkröten geprägt. Während meine Frau Gabriele die meiste Zeit am Stand auf unsere Kinder Jennifer und Manuel aufpasste war ich in den umliegenden Hügeln zwischen den Büschen bei den Schildkröten.

Seit damals fahre ich zusammen mit Gabriele und unserem Hund wann immer sich die Möglichkeit ergibt mit dem Wohnmobil in den Süden um die Tiere vor Ort zu studieren. In den letzten Jahren haben diese Exkursionen nichts mehr mit Urlaub im eigentlichen Sinne zu tun, dennoch sind sie, zumindest für mich, ein Ausgleich und Erholung von meiner eigentlichen Arbeit.

Bild5 In gut strukturierten Außengehegen leben die Schildkroeten in einem offenen Verband
Sonne Strand

Durch diese vielen Exkursionen in die Habitate im gesamten Mittelmeerraum, war schon vor langer Zeit die Natur das Vorbild für die Haltung meiner Tiere.

Mit entsprechend zusätzlicher Technik habe ich nach und nach versucht einen möglichst naturnahen Lebensraum zu schaffen in dem meine Schildkröten mehr oder weniger sich selbst überlassen ein Wildtierleben führen können.

Vor ein paar Jahren, man könnte auch sagen gegen Ende des letzten Jahrhunderts, kam Manuel, damals 14 oder 15, auf eine „selbstlose Idee“. Er redete mir ein, dass ich unbedingt eine Homepage über meine Schildkröten machen müsste. Ihm ging es damals wohl eher um den dafür erforderlichen Internetanschluss. Schließlich konnte er mich überreden. Allerdings hat Manuel dann nicht nur selbst im Netz gesurft, sondern mit mir zusammen auch tatsächlich eine Homepage erstellt. Seither ist meine HP www.testudo-farm.de eine viel besuchte und kopierte Schildkrötenseite.

Aus dieser Homepage ist 2003 mein erstes Buch „Die natürliche Haltung und Zucht der Griechischen Landschildkröte“ entstanden. 2004 habe ich mit dem Buch „Sardinien, die Insel der europäischen Schildkröten“ die Lebensräume der europäischen Schildkröten in der freien Wildbahn beschrieben und einen Einblick in die Lebensweise der Tiere gegeben. Im Jahr 2006 erschien die stark erweiterte und überarbeitete Neuauflage als neues Buch „natürliche Haltung und Zucht der Griechischen Landschildkröte“.

lebensr sardi

Heute ist in aller Munde, dass der natürliche Lebensraum der europäischen Landschildkröten bei der Haltung der Tiere als Vorbild dienen sollte.

Vorbild

Die wenigsten Halter wissen jedoch wie der ursprüngliche Lebensraum der europäischen Landschildkröten tatsächlich beschaffen war. Leider werden auch in neuerer Literatur hierzu missverständliche Angaben gemacht. Olivenhaine, Weinberge, Weideflächen und sonstige bewirtschafteten Landstriche sind keine ursprünglichen Lebensräume. Die hier lebenden wenigen Schildkröten haben sich dort nicht angesiedelt, sondern es handelt sich um einzelne übriggebliebene Schildkröten der dort früher lebenden Population, welche die Umwandlung ihres Habitates in Kulturland vorläufig noch überlebt haben. Die in diesen Lebensräumen oft nur noch weit verstreut und einzeln vorkommenden Schildkröten eignen sich aus diesem Grund auch nicht für irgendwelche Verhaltensforschungen, Angaben über Populationsdichten oder den damit zusammenhängenden Aussagen etwa wie oft sich denn Schildkröten in der Natur begegnen.

begegnung

Der heutige ursprüngliche Lebensraum unserer Griechischen Landschildkröten ist der Buschwald, die Sekundärvegetation der einstigen Wälder.

Gerade diese Begegnungen finden in noch wirklich ursprünglichen vom Menschen noch relativ naturbelassenen Habitaten wesentlich öfter statt als das gemeinhin angenommen wird.

Bild6Habitat der Griechischen Landschildkroete

In diesem oft sehr dornigen Gestrüpp führen die Schildkröten ein sehr verstecktes und noch relativ ursprüngliches Leben.

Solche Schildkrötenhabitate aufzufinden ist sehr Zeit und auch kostenaufwändig. Zu solchen Gebieten führen in der Regel weder Straßen noch Wege, so dass regelmäßig weite Fußmärsche erforderlich sind.

Manu Gebuesch

Mein Buch „Futterpflanzen“ soll dem engagierten Schildkrötenhalter eine Hilfe bei der Auswahl geeigneter Futterpflanzen sein und somit wesentlich zur Gesunderhaltung der Schildkröten beitragen.

Oft krieche ich auf allen Vieren im dornigen Gestrüpp. Schon manches Mal glaubte ich mich aussichtslos in der hohen Macchia verlaufen zu haben.

Meine Arme und Beine sind nach einer solchen Exkursion blutig verkratzt.

Dennoch ist es für mich jedes Mal aufs Neue ein erhebendes Gefühl in solchen noch ursprünglichen Habitaten Schildkröten zu beobachten.

SKMalvenblüte