- Home

- Meine Geschichte

- Bücher

- Artenschutz

- Natürlicher
 Lebensraum

- Haltung

- Aktuelle Themen

- Wasserschildkröten

- Toskanagarten

© Manuel Wegehaupt


 

 

Natürlicher Lebensraum

Das Vorkommen von Landschildkröten beschränkt sich im Mittelmeerraum ausschließlich auf kalkhaltige Landstriche und auf Gebiete mit vorteilhaften Temperaturverhältnissen.

Dies sind je nach Schildkrötenart oder Unterart tiefere Lagen in Meeresnähe mit sandigen Böden aber auch Tallagen im Landesinneren.

Hier besonders Flusstäler mit sandig steinigen Kalkböden oder abgelagerten Kalkausschwemmungen aus den Bergen.

Die Schildkröten leben ebenso auf angrenzende Hügelketten bis hin zu Hochebenen und in bergigen Regionen.

Der natürliche Lebensraum kann also sehr unterschiedlich aussehen.

Einiges haben jedoch alle Landschildkrötenbiotope gemeinsam.

Es sind grundsätzlich Gebiete mit kalksteinhaltigen, oft flachgründigen sehr steinigen kargen Böden mit einer guten Wärmespeicherung in ganztägig besonnten Südlagen.

Die Bodenbeschaffenheit ist stark abhängig vom einzelnen Standort. In Küsten- oder Flussnähe herrschen rein sandige, sandig steinige oder sandig felsige Böden aus sehr feinem verwittertem Gestein vor. Im Landesinneren werden oft auch sandige humushaltige Böden vorgefunden, welche jedoch nicht mit tiefgründigen Ackerböden verglichen werden können. Das üppige Wachstum der auf nährstoffarmen Böden wachsenden Urmacchia und der vielfältigen „Futterpflanzen“ funktioniert damals wie heute immer noch durch ein simples geschlossenes System bei dem die aktiv zirkulierenden Nährstoffe direkt nach der Zersetzung der anfallenden Biomasse -durch Bodenarthropoden- genutzt und nicht in ohnehin meist nicht vorhandene tiefere Bodenschichten geschwemmt werden. Die Wurzeln bilden manchmal sogar ein feines mattenartiges Geflecht. Die Pflanzen holen sich ihre Nährstoffe also nicht aus tiefen Bodenschichten, wie das bei nährstoffreichen fetten Böden -offenes System- der Fall ist, sondern unmittelbar von der Oberfläche.
Ackerbau funktioniert als Erfindung des Menschen bekanntlich nach einem völlig anderen System, auch im Mittelmeerraum geht ohne Düngung und Bodenbearbeitung nichts. Auf gerodeten Flächen ist maximal eine Ernte möglich und danach muss durch Umpflügen und kräftiges düngen nachgeholfen werden. Ackerböden haben, auch wenn diese irgendwann brach liegen, nichts mit dem Boden auf dem wilde Schildkröten üblicherweise leben zu tun. Die fetten Böden, die wir kennen
gibt es im Mittelmeerraum, zumindest in Schildkrötenhabitaten nicht. Karg, mager und nährstoffarm heißt nicht ausgezehrt.


Das gesamte Gelände ist mit einer Vielzahl von leeren großen und kleinen Häusern der Busch- und Dünenschnecken regelrecht übersät. Ebenso liegen Vogeleierschalen und Knochen von verendeten Wildtieren und Schafen oder Ziegen herum
.

Nachdem im ganzen Mittelmeerraum die einstmals ausgedehnten Hartlaubwälder besonders in Meeresnähe gänzlich abgeholzt wurden existiert der ursprüngliche Lebensraum der mediterranen Landschildkröten nicht mehr. Die Vegetation in den Schildkrötenbiotopen besteht heute, je nach Vorkommensgebiet, aus niederem Buschwerk Garrigue, Buschwäldern Macchie und vereinzelt auch noch aus lichten Baumbeständen.

Die Schildkröten fressen die Schneckenhäuser und nagen an den Knochen wie wir es nur von Hunden gewöhnt sind.

Oft befindet sich in der Nähe ein Bach, ein Fluss oder eine andere Wasseransammlung, zu der die Schildkröten manchmal auch weitere Strecken zurücklegen können. Dort trinken die Tiere ausgiebig und grundsätzlich badend mit tief untergetauchtem Kopf.

Allerdings gibt es besonders in Griechenland, aufgrund der starken Überweidung mancher Gebiete, bereits sehr kahle Berghänge in denen die Populationsdichte immer mehr abnimmt, weil sich die Schildkröten nicht mehr ausreichend vor Fressfeinden verbergen können.

In Kulturflächen, wie in Olivenhainen, in Weinbergen, auf Feldern oder in deren Randvegetation sind in manchen Gebieten ebenfalls noch vereinzelt Schildkröten anzutreffen, aber nicht etwa weil sich die Schildkröten in diesen bewirtschafteten Flächen angesiedelt haben, sondern weil diese Kulturflächen in den ursprünglichen Schildkrötenhabitaten angelegt wurden. Bei diesen Schildkröten handelt es sich um Tiere die noch nicht durch Pflüge direkt getötet, vom Menschen als Schädlinge erschlagen oder indirekt durch Schadstoffe vergiftet wurden. Es ist also nur eine Frage der Zeit bis auch diese Schildkröten verschwunden sind.

Europäische Landschildkröten sind keine Kulturfolger.

Adulte Schildkröten sind derart mit ihrem Aktionsraum verbunden, dass sie es nicht verlassen können um sich neue Lebensräume zu erschließen. Das aus der Macchia gewonnene Weide- und Kulturland wird deshalb gezwungenermaßen zum neuen Lebensraum der diese Urbarmachung überlebenden Schildkröten.