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© Manuel Wegehaupt


 

 

Die Lebensweise im

natürlichen Lebensraum

 

Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich ausführlich mit der Feldherpetologie und suche mehrmals jährlich sehr viele Schildkrötengebiete im gesamten Mittelmeerraum auf. Dort habe ich die Tiere anfangs nur beobachtet und schließlich intensiv ihre Lebensweise und ihr Verhalten erforscht.

Je nach den Temperaturverhältnissen in den unterschiedlichen Biotopen graben sich die ersten Schildkröten bereits im Februar wieder regelmäßig aus ihren Verstecken hervor um sich an der Frühjahrssonne aufzuwärmen.

Spätestens im März sind alle Tiere wieder aktiv und gehen je nach Wetterlage täglich ihrem gewohnten Leben nach.

Eine Ausnahme machen hier nur die in höher gelegenen kühleren Biotopen im Landesinneren lebenden Schildkrötenpopulationen.

Die dort lebenden Schildkröten werden temperaturabhängig etwas später im Jahr aktiv, gleichzeitig ist aber auch das Pflanzenwachstum und die Blütezeit weiter in die Sommermonate verlagert.  

Die tägliche Aktivphase beginnt nachdem die ersten Sonnenstrahlen den Boden erwärmt haben. Die Schildkröten kriechen aus ihren Verstecken heraus und halten ein ausgiebiges Sonnenbad.

Nach Erreichen der Stoffwechseltemperatur sind die Schildkröten sehr aktiv. Sie begeben sich auf ihre Weidegänge oder erkunden das Gelände.

Mit dem Einsetzen der Mittagshitze verkriechen sich die Tiere in das Dickicht um schließlich am Nachmittag nochmals aktiv zu werden.  

Noch während die Sonne am Himmel steht verstecken sich die Schildkröten wieder in ihren Unterschlüpfen um dort eingegraben die Nacht zu verbringen.

 

Grundsätzlich meiden europäische Landschildkröten offenes Gelände.

Jungen Schildkröten ist freies Gelände wegen der von oben drohenden Fressfeinde sogar äußerst unangenehm.  

Innerhalb der Habitate beansprucht jedes einzelne adulte Tier ein relativ kleines Streifgebiet in dem sich sein Unterschlupf befindet. Europäische Landschildkröten haben kein Territorium und somit auch kein Revierverhalten, das heißt sie verteidigen ihren Aktionsraum nicht, sondern leben in einem offenen Verband innerhalb der Habitate nebeneinander in sich stark überschneidenen Streifgebieten.

Bevorzugt graben sich die Schildkröten unter dichtem, oft dornigem Buschwerk, größeren Grashorsten, altem Holz oder großen Steinen ein.  

Vorhandene kleine Höhlen oder von anderen Tieren gegrabene Erdlöcher werden ebenfalls gerne als Unterschlupf angenommen.

Diese Verstecke werden, falls sich im Habitat nichts verändert, über viele Jahre hinweg für die Ruhezeiten und auch zur Überwinterung genutzt.

 

Der Unterschlupf wird von adulten europäischen Landschildkröten in der Natur grundsätzlich alleine „bewohnt“.

Ausnahmen gibt es nur in Habitaten mit zu wenigen Unterschlupf- und Versteckmöglichkeiten, wie das beispielsweise zunehmend an nur noch spärlich bewachsenen Berghängen in Griechenland vorzufinden ist.

 

Die einzelnen in der Regel nur wenige Quadratmeter großen Streifgebiete überschneiden sich erheblich. Die Aktionsräume der Männchen sind etwa doppelt so groß wie die der Weibchen.

 

Männliche Tiere sind auch früher und änger aktiv als ihre weiblichen Artgenossen.

 

Treffen im Frühjahr zwei Männchen aufeinander sind regelmäßig Kommentkämpfe zu beobachten. Diese Kämpfe sind dem Paarungsritual sehr ähnlich und werden regelmäßig vom größeren und damit stärkeren Tier entschieden. Mit Revierverteidigung haben diese ritualisierten Handlungen nichts zu tun.

Oft ist auch die Rangfolge schon nach kurzem Beriechen geklärt und der „Schwächere“ geht eilend aus dem Weg.

 

Bereits kurz nach der Winterruhe sind die vor den Weibchen aus der Winterstarre hervor kriechenden Männchen im größeren Umkreis ihres Streifgebietes unterwegs auf der Suche nach weiblichen Artgenossen.  

Treffen sie auf ein Weibchen, beginnen sie sogleich mit ihrem, je nach Art, etwas unterschiedlichem Werberitual.

Die Weibchen verlassen, außer zur Eiablage, ihr Streifgebiet, falls erforderlich, nur zur Futtersuche.  

Landschildkröten sind von Natur aus Weidegänger und können auf der Suche nach Futter je nach den Verhältnissen in den einzelnen Biotopen auch größere Flächen außerhalb ihres eigentlichen Streifgebietes begehen.

 

Zwei sich begegnende Weibchen ignorieren sich oder beriechen sich allenfalls kurz und gehen bald wieder getrennte Wege.

 

Im Frühjahr regnet es im gesamten Mittelmeerraum noch ausgiebig, sodass die Schildkröten nicht nur regelmäßig von diesen oft wolkenbruchartigen Regen gebadet werden, sondern durch das Trinken an Wasseransammlungen auch ihren Wasserhaushalt nach der Winterruhe ins Lot bringen können.

Bekanntlich nehmen Schildkröten ja auch über die Kloake und die Haut Wasser auf.

Durch die Regenfälle begünstigt wachsen schon im Februar grüne Gräser und Kräuter. Bereits Anfang April sind die Schildkrötenbiotope das reinste Blütenmeer.

 

Selbst karge öde Böden sind von farbenfrohen Blütenteppichen überzogen.

In der Luft liegt der berauschende Duft von Blumen und würzigen wilden Kräutern.

Im Frühjahr fressen die Schildkröten vorwiegend Blüten und saftiges frisches, vitaminreiches Grün.

 

In der freien Wildbahn ist der Frühling kurz nach der Winterruhe und auch der Herbst die Hauptpaarungszeit.

In diesen Zeiten sind die Schildkröten sehr aktiv.

 

Wenige Wochen nach der Kopulation im Frühjahr beginnen die Weibchen mit der ersten Eiablage. Je nach Art erfolgt wenige Wochen später das zweite oder auch dritte Gelege.

 

Europäische Landschildkröten sind sehr ortsgebunden. Ihr angestammtes Streifgebiet befindet sich in mehr oder weniger baumbestandenem und buschigem Gelände, das für die Zeitigung von Eiern nicht immer die erforderliche volle Sonneneinstrahlung und damit eine relativ hohe Grundtemperatur aufweist.

Aus diesem Grund verlassen die trächtigen Weibchen jeweils zum Legen der Eier ihr engeres Streifgebiet und suchen offene sonnendurchflutete und vor allem auch feuchtere Gebiete mit sehr niederem Pflanzenbewuchs auf.

Hierzu können die Weibchen auch größere Strecken von mehreren Kilometern zurücklegen.

Die Eigrube wird, zum Schutz der schlüpfenden Jungen vor Fressfeinden nicht auf eine freie Fläche, sondern immer in der Nähe eines kleinen lichten Busches angelegt.

 

Nach der Eiablage begeben sich die Weibchen wieder zurück in ihr eigentliches Streifgebiet das sie durch ihren ausgeprägten Geruchs- und Orientierungssinn problemlos wieder finden.

 

So suchen die meisten Weibchen immer wieder dieselben Stellen zur Eiablage auf.

In manchen Gebieten gibt es regelrechte Eiablageplätze, die von den Weibchen aus der ganzen Umgebung aufgesucht werden.  

Jeder von uns der weibliche Landschildkröten hält, hat diesen Wanderdrang sicher bei seinen Tieren schon beobachten können. Die Schildkröten wandern unruhig auf und ab und versuchen auch aus dem Gehege auszubrechen

 

Ab Ende Mai, wenn die Niederschläge mit der zunehmenden Hitze abnehmen, findet die Blütenpracht ein schnelles Ende.

Die allermeisten Pflanzen haben in der glühenden Sommerhitze keine Chance.

Die Gräser und Kräuter vertrocknen zu Heu und mehrjährige Pflanzen fallen um zu überleben in eine Art Sommerruhe.

Während der Sommermonate steht den Schildkröten ein völlig anderes Futter zur Verfügung. Abgesehen von einzelnen Dickblattgewächsen, wie verschiedenen Mauerpfefferarten und den immergrünen Büschen oder der auch sehr gern gefressenen, mancherorts massenhaft auftretenden Stechwinde, handelt es sich nur noch um dürres trockenes Futter.  Die gerade auch in den Sommermonaten notwendigen Vitamine und die ebenso lebenswichtigen ungesättigten Fettsäuren holen sich die Tiere durch reichliches fressen von Samen, wilden Früchten und Beeren aller Art. Diese Früchte und Beeren im Habitat sind jedoch keinesfalls mit den bei uns verfügbaren, süßen und wässrigen Früchten und Beeren zu vergleichen.

 

In den heißesten Sommermonaten Juli und August sind die Aktivitäten der in meernahen Biotopen vorkommenden Landschildkröten stark reduziert.

Diese Tiere halten sich sehr versteckt im „Gestrüpp“ oder in ihrem Unterschlupf auf und kommen nur in den frühen Morgen- und späten Abendstunden heraus oder halten je nach Art und Vorkommensgebiet eingegraben im Boden oder in kühlen Steinhöhlen, eine Sommerruhe.  

Am wohlsten fühlen sich Landschildkröten tagsüber im Temperaturbereich zwischen 20 und 35° C.

 

Mit den ersten einsetzenden Herbstregen, teilweise schon ab September, erwachen die Pflanzen zu neuem Grün. Die einjährigen Pflanzen keimen und wachsen sogar im Winter.

 

Diese ersten Herbstregen veranlassen auch die Schlüpflinge sich aus dem Boden auszugraben.

 

Die geschlüpften Jungtiere verkriechen sich nach dem Verlassen der Eigrube unter dem zu dieser Jahreszeit vorhandenen vertrockneten Pflanzenfilz und verbringen, zumindest noch ihr erstes Lebensjahr im sehr nahen Umkreis ihrer Eigrube und somit in einem durch die Senkenlage feuchteren Habitat.

 

In den darauf folgenden Jahren ziehen die jungen Schildkröten immer größere Kreise und wandern von den Senken in die umliegenden Hügel ab, um sich schließlich als geschlechtsreife Tiere ein eigenes Streifgebiet und einen angestammten Unterschlupf zu suchen.

 

Je nach den Witterungsverhältnissen in den verschiedenen Vorkommensgebieten bereiten sich die europäischen Landschildkröten ab Oktober auf ihre Winterruhe vor.  

Die Winterruhe selbst fällt in den einzelnen Biotopen ebenfalls sehr unterschiedlich aus und ist nicht vergleichbar mit der Winterruhe die wir den bei uns gehaltenen Schildkröten notgedrungen verordnen müssen.

 

Die Winterruhe unterscheidet sich je nach Vorkommensgebiet in den Temperaturverhältnissen und somit auch im Ablauf und der Dauer teilweise erheblich.

Das mediterrane Klima bringt unter anderem nicht nur regenreiche, sondern besonders in Küstennähe auch milde und teilweise sehr warme sonnige Wintertage.

In der Natur werden die Schildkröten durch bestimmte Einflüsse, wie Licht, Temperatur und Luftdruck instinktiv auf die bevorstehende kalte Jahreszeit eingestimmt. Besonders die sinkenden Nachttemperaturen veranlassen die Schildkröten, weniger Nahrung aufzunehmen. Hierbei lassen sich die Tiere, auch durch die tagsüber an der Sonne weiterhin sehr warmen Temperaturen, nicht beeinflussen. Diese Tagestemperaturen sind für den in dieser Zeit noch voll intakten Stoffwechsel auch unbedingt erforderlich. Die Schildkröten zehren in dieser Zeit von dem immer noch mit Nahrungsbrei gefüllten Darm und leiden somit auch bei weniger und schließlich gar keiner Nahrungsaufnahme mehr nicht an Hunger, so wie wir uns das vorstellen würden. Die Passagezeit von rohfaserreichem Futter beträgt bei niederen Temperaturen bis zu vier Wochen. In dieser Übergangszeit kommen die Schildkröten immer seltener und kürzer aus ihrem Unterschlupf heraus. Wenn schließlich die Temperaturen über einen längeren Zeitraum in der Nacht wesentlich unter 10° C fallen, bleiben die Schildkröten starr in ihrem Unterschlupf liegen. Als wechselwarme Tiere, sind sie schließlich unfähig sich zu bewegen.

Dennoch sind Reptilien allgemein durch ihren Instinkt in der Lage, selbst in der Winterstarre, Grabbewegungen auszuführen und hierdurch ihre Eingrabtiefe, entsprechend den Umgebungstemperaturen zu regulieren. Bei einem Kälteeinbruch graben sich die Schildkröten automatisch bis auf eine frostfreie Tiefe in das Erdreich ein und ebenso automatisch bei einem Wärmeeinbruch, auch wieder aus dem Substrat aus. Dieser Automatismus hält die Schildkröten in der Natur am Leben, weil sich die Tiere durch das tiefere Eingraben vor Frost und durch das Ausgraben vor einer Vergiftung durch unvollständig ablaufende Stoffwechselvorgänge schützen. Schwankende Lufttemperaturen wirken sich allerdings nicht unmittelbar auf die Tiere aus. Durch die Pufferwirkung des Bodens machen sich geänderte Temperaturen erst nach einiger Zeit tief im Boden bemerkbar.

Erwärmt die Sonne im Winter den Boden längere Zeit, graben sich die Schildkröten also an die Oberfläche und setzen sich schließlich, durch das Sonnenlicht angezogen, der auch im Winter genügend vorhandenen Strahlungswärme aus. Das ist ein für die Schildkröte lebenswichtiger Vorgang. Bei europäischen Landschildkröten setzt bereits ab einer Temperatur von 8° C der Stoffwechsel langsam wieder ein. Eine vollständige Verbrennung findet jedoch erst bei einer Körpertemperatur ab etwa 30° C statt. Die beim Stoffwechsel anfallenden giftig wirkenden Abbauprodukte werden bei niederen Temperaturen zwar in den Nieren eingelagert, können jedoch nicht ausgeschwemmt werden. Es kommt schließlich zum vollständigen Ausfall der Nierenfunktion und die Schildkröte fällt, von uns in der Winterstarre unbemerkt, ins Koma, was unweigerlich den Tod des Tieres nach sich zieht.

Diese winterliche Aktivphase ist in der Natur jeweils von beschränkter Dauer und nur solange nötig, wie eben die im Boden wirkenden Temperaturen nicht unter der Grenze von etwa 8° C liegen. Nach dem Aufwärmen, das stets in unmittelbarer Nähe des angestammten Unterschlupfes stattfindet, graben sich die Tiere wieder oberflächlich ein und am nächsten Tag zum Aufwärmen wieder aus oder eben bei sinkenden Temperaturen wieder tiefer ein, um erneut automatisch in die Winterstarre zu fallen.

In diesen kurzen Aktivphasen, müssen die Schildkröten keine Nahrung zu sich nehmen. Durch die natürliche rohfaserreiche Nahrung ist der Darm der Tiere auch in den Wintermonaten nicht vollständig leer, um die zur Verdauung notwendige Darmflora zu erhalten. Die Schildkröten verstoffwechseln also in der winterlichen Aktivphase nicht etwa angefressene Fettpolster, sondern zunächst den Restinhalt ihres Darmtraktes. Solange sich ein Nahrungsbrei im Darm befindet, leiden die Schildkröten auch nicht an Hunger, und müssen aus diesem Grund auch zunächst einmal keine Nahrung zu sich nehmen.

Aus den genannten Gründen ist es verständlich, dass die Schildkröten in menschlicher Obhut, anders als in der Natur, ständig konstant niedere Überwinterungstemperaturen zwischen 2 und maximal 7° C haben müssen. Für Testudo horsfieldii sind Temperaturen zwischen 2 und 4° C ideal. Bei uns überwinterte Schildkröten werden bei Temperaturen um 8° C unruhig und graben sich schließlich auch aus dem Substrat aus. Sie finden jedoch keine Sonne, an der sie sich auf die erforderliche Stoffwechseltemperatur aufwärmen könnten. Der unvollständige Stoffwechsel beginnt und somit auch das Sterben.

Bei Temperaturen um 4° C ruhen die Schildkröten ruhig und führen keine, bei uns unnötigen, Grabbewegungen aus.

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