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© Manuel Wegehaupt


 

 

Habitatsklima in Bildern

In meinem Buch „Natürliche Haltung und Zucht der Griechischen Landschildkröte“ bin ich auf das Mittelmeerklima, das Habitatsklima und den Unterschied zwischen Klimadiagrammen und dem Mikroklima in dem die Schildkröten in Ihren Wärmeinseln leben, bereits sehr ausführlich eingegangen.

Da Bilder nicht nur wesentlich mehr Aussagekraft haben, sondern auch eher im Gedächtnis bleiben als Texte, habe ich Mitte Mai 2009, an einem sonnigen, teilweise auch bewölkten Tag hierzu einige Bilder gemacht.

Die Temperaturen habe ich mit einem elektronischen Digitalthermometer mit Thermoelement gemessen.

Das Habitat liegt in einer griechischen Hügellandschaft etwa 25 km Luftlinie vom Meer entfernt in einer Höhe von etwa 250 m ü.N.

Wie in weiten Teilen Griechenlands einschließlich des Peloponnes üblich kommen dort Testudo hermanni boettgeri zusammen mit Testudo marginata im selben Bereich unmittelbar nebeneinander vor.

Ein Blick über dieses weite Hügelland. Die karge steinige und felsendurchzogene Gegend ist für die Landwirtschaft ungeeignet und wurde offensichtlich, von den Abholzungen abgesehen, auch in früheren Jahren vom Menschen noch nicht genutzt. Allerdings handelt es sich um Weideland. Regelmäßig werden von Hirten Schaf- und Ziegenherden zum Abweiden des Gras- und Buschbewuchses über die Hügel geführt.   

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Jäger habe ich dort noch nie angetroffen. Die üblicherweise in vielen anderen Habitaten überall herumliegenden Schrothülsen sind auch nicht vorhanden. Wanderer verirren sich in dieses, weit vom üblichen Tourismus abgelegene Hügelland sicher nicht. Brände sind hier extrem selten und können sich auch aufgrund der niederen Buschvegetation ohne das sonst in Habitaten massenhaft herumliegende Trockenholz und das hohe verdorrte Gras nicht ausbreiten und erlöschen von selbst.

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Auch in diesem Hügelland kommen die Schildkröten nicht flächendeckend vor. Außer einigen anderen Kriterien muss vor allem auch das Klima stimmen. Gefragt ist jedoch nicht das in der freien Landschaft vorherrschende Mesoklima, sondern das Mikroklima in unmittelbarer Bodennähe in dem die Schildkröten auch leben. Dieses schildkrötengerechte Mikroklima wird nur in windgeschützten, vollsonnigen Lagen erreicht. Ursprüngliche, halbwegs noch natürliche Schildkrötenhabitate sind Wärmeinseln mit einem eigenen ganz besonderen Kleinklima.

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Das ganze Gelände ist mit vielen Felsformationen und Steinen überzogen.

Durch die geschützte Lage zwischen den Felsen und den Buschformationen wird die eigentliche Bodenfläche von dem in der Umgebung ständig wehenden Wind nicht berührt. Der sonst übliche Mischeffekt der verschiedenen Luftschichten ist hier nicht vorhanden. Innerhalb der Wärmeinseln finden nur leichte und unmittelbar über dem Boden überhaut keine Luftbewegungen mehr statt.

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Immer wieder gibt es teilweise auch noch grossflächig zusammenhängende Buschformationen.

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Der Boden selbst ist ausgesprochen steinig.

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Durch die vielen Felsformationen und übereinander liegenden Felsbrocken gibt es verhältnismässig viele kleine Höhlen, die von den Schildkröten regelmäßig als Unterschlupf genutzt werden.

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Die Kreise zeigen die nachfolgenden drei Messbereiche um 14:30 Uhr.

1 In der Sonne zwischen Felsen und Buschformationen in der nur wenige Zentimeter hohen Vegetation.

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2 Im Schatten wenige Zentimeter innerhalb des Busches, unmittelbar auf dem Boden.

3 Wenige Zentimeter innerhalb der über einen Meter tiefen, relativ niederen Höhle.

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Zunächst aber die Lufttemperatur in etwa 2 Meter Höhe über dem Boden in der Sonne: 27,3° C.

Zum Vergleich, die Durchschnittstemperatur für dieses Gebiet wird im Mai mit 19° C angegeben.

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Obwohl diese Messung wenig Aussagekraft hat, weil ich nicht weiß wie lange sich die Schildkröte bereits an der Sonne aufgehalten hat, habe ich die Oberflächentemperatur unmittelbar auf dem Carapax dennoch gemessen. Einfach als Denkanstoß.

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In der sengenden Sonne zwischen der nur wenige Zentimeter hohen Vegetation steigt der Thermometer bereits auf 48,6° C an.

Innerhalb des Busches wurden im Schatten 28,7° C, also noch 1,4 Grad mehr als in der Sonne in 2 Metern Höhe gemessen.

In der Höhle herrschen 19,5° C.

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Die selbe Schildkröte mit einer Kloakentemperatur von 33,7° C. Aus einer ganzen Reihe früherer Messungen habe ich vor Jahren bereits eine bevorzugte Kloakentemperatur von etwa 35° C ermittelt.

Mit diesem Bild möchte ich noch einmal etwas Grundsätzliches anmerken. Wie ich auch bereits in meinem Buch „Sardinien, die Insel der europäischen Schildkröten“ geschrieben habe, ist die Feldherpetologie immer ein Eingriff in die Natur. Untersuchungen an geschützten wildlebenden Tieren sind heute in der Regel genehmigungspflichtig und sollten von „Laien“ für private Zwecke unterbleiben. Sollten Sie einmal das Glück haben während einer Urlaubsreise einer Schildkröte in ihrer natürlichen Umgebung zu begegnen, belassen Sie es bitte dabei das Tier zu beobachten oder so wie Sie es angetroffen haben zu fotografieren. Ein Wildtier, dass vom Boden aufgehoben wird erleidet einen Schock und entleert vor lauter Stress den gesamten Inhalt von Darm und Blase. Da dieser jedoch bei Schildkröten auch zur Regulierung des Wasserhaushaltes dient, kann dies besonders in den heißen Sommermonaten das Todesurteil für das Tier bedeuten. Bei all meinen Studien an den Schildkröten habe ich stets darauf geachtet, dass ich sämtliche „Eingriffe“ wie Fotografieren, Gewicht-, Längen- und Temperaturmessungen sowie Blut- und Gewebeproben, so schonend wie nur irgend möglich durchgeführt habe.

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Worauf ich jedoch immer schon bedacht war, dass der Wasserhaushalt dieser Tiere wieder ins Lot kam. Hierzu habe ich immer einen Behälter und Wasser mitgeführt und entsprechende Tiere wie hier diese kleinwüchsige Marginata in einer Sanddüne Wasser aufnehmen lassen. All diese Schildkröten haben hiervon auch immer ausgiebig gebrauch gemacht.

Zum Schluss noch die Temperatur um 06:30 Uhr morgens: 19,2° C in etwa 2 Meter Höhe über dem Boden.

 

Interessant ist jedoch die Temperatur auf der Bodenoberfläche um diese Zeit: 14,7° C. Das ergibt ein Tag-/Nachttemperaturgefälle von 34°C.

Überdenken Sie einmal welches Temperaturgefälle Sie Ihren Schildkröten bieten.

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Hier noch eine hoffentlich aufschlussreiche Aufnahme von meinen Füßen mit zugegebener Maßen für dieses Gelände ungeeignetem Schuhwerk. Wie Sie unschwer erkennen sind die Schuhe um 06:30 nur bei den beiden vorangegangenen Aufnahmen regelrecht nass geworden. Der Boden einschliesslich der bodennahe Bewuchs und somit auch die darin lebenden Schildkröten sind zumindest in den frühen Morgenstunden extrem feucht. Die Feuchtigkeit wird von der aufgehenden Sonne relativ schnell getrocknet und sorgt zusätzlich für feuchte Luft die wegen der fehlenden Luftbewegung tagsüber wie eine Glocke über der Wärmeinsel liegt. Ohnehin ist die Luftfeuchtigkeit im Mittmeerraum wesentlich höher als bei uns.

Temperaturmessungen aber auch andere Beobachtungen während eines Urlaubsaufenthaltes in einem Hotelgarten oder auf an die Ferienanlage angrenzenden Wiesen auf denen Sie vielleicht noch einzelne Schildkröten der bereits ausgestorbenen Populationen oder gar „zahme Hotelschildkröten” finden, sind als Vorbild Natur absolut ungeeignet.