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© Manuel Wegehaupt


 

 

Das artgerechte Freilandgehege

 

 

Durch meine Reisen in die mediterranen Schildkrötenbiotope hat sich in der Haltung meiner Tiere sehr viel verändert.

Aus dem einstigen Schuhkarton, dem gelegentlichem Auslauf auf der großen Wiese, leider auch angebunden an eine Schnur ist ein überschaubar eingefriedetes gut strukturiertes und vor allem dem natürlichen Lebensraum weit möglichst nachempfundenes Wildtiergehege für Landschildkröten geworden.

Natürlich kann ein solches Gehege in unseren Breitengraden nur eine Nachahmung der Natur und kein intakter natürlicher Lebensraum sein.

Mit einer entsprechenden technischer Ausstattung stellt es jedoch sicher die optimalste Haltung europäischer Landschildkröten in menschlicher Obhut dar.

Über ein solches Gehege sollte heute jeder, der diese bedrohten und deshalb unter Schutz gestellten Wildtiere hält, verfügen.

Die Haltung europäischer Landschildkröten ist ohne ein solches Freilandgehege nicht artgerecht und somit auch nicht im Sinne des Tierschutzes.

Aussagen wie ich halte meine Schildkröten schon 30 Jahre auf der Wiese im Garten. Das geht auch ohne Frühbeet, oder ich habe das Frühbeet wieder abgeschafft, weil die Tiere gar nicht mehr raus gekommen sind, sollten wir heute nicht mehr akzeptieren.

Wer diese bewegungsfreudigen Tiere schon einmal in der Natur beobachten konnte, der weiß, dass eine Terrarienhaltung abzulehnen ist.

Bevor Sie ein weitgehend natürliches und somit artgerechtes Freigehege planen sollten Sie zunächst wissen was für unsere Landschildkröten natürlich und was artgerecht ist. Informieren Sie sich hierzu bitte auf meiner Homepage oder  in meinen Büchern. Hier habe ich sehr ausführlich und mit vielen Bildern anschaulich die Lebensweise und den natürlichen Lebensraum der europäischen Schildkröten beschrieben.

Vor dem eigentlichen Bau sind einige Gedanken zur Lage und Größe erforderlich.

In den meisten Gärten wird sich dies von selbst ergeben, weil einfach keine andere Möglichkeit vorhanden ist, als das Gehege an dieser oder jener noch freien Stelle zu errichten.

Dennoch sollten wir für die absolut licht- und wärmegesteuerten Schildkröten den sonnigsten Platz in unserem Garten zur Verfügung stellen.

Falls das im Einzelfall nicht möglich sein sollte, achten Sie bitte darauf, dass Morgensonne wesentlich wichtiger ist als Abendsonne.

Sonst werden die Schildkröten zu spät am Tag aktiv, weil sie sich nicht wie in der Natur gleich frühmorgens auf ihre Stoffwechseltemperatur bringen können.

Die Größe des Geheges richtet sich nach der Anzahl und zunächst einmal vor allem nach der Größ und nach dem Alter der Schildkröten.

Hier gibt es keine brauchbare Norm. Zwei adulte Landschildkröten fühlen sich sicher auch bei einer Gehegegröße von 10 qm noch eingesperrt, so dass nach meiner Auffassung ein Gehege für adulte europäische Landschildkröten keinesfalls kleiner als 30 qm sein sollte. Je größer um so besser.

Natürlich kann ein größeres Gehege auch wesentlich schöner, abwechslungsreicher und vor allem auch naturnaher eingerichtet werden.

 

Ein Freigehege für Schlüpflinge und Jungtiere sollte zunächst kleiner sein und sozusagen mit den Tieren mit wachsen.

In einem großen Gehege würden sich die kleinen Schildkröten sonst so gut verstecken, dass sie der Pfleger lange Zeit nicht mehr findet.

 

Halten Sie sich immer wieder vor Augen, dass Landschildkröten Wildtiere sind und bei uns in Gefangenschaft leben.

Das soll für uns aber nicht bedeuten, dass wir die Tiere auch gefangen halten sollten.

Was ich damit sagen will, ist, dass jedes einzelne Tier für sich einen gewissen Freiraum benötigt um sich wohl zu fühlen

Nur durch diesen Freiraum verhalten sich Landschildkröten auch in Gefangenschaft weitgehend natürlich, laufen nicht ständig nur stumpfsinnig an der Einfriedung entlang und machen uns durch ihr aufgewecktes, neugieriges und munteres Verhalten Freude.

 

Letztlich ist das doch der Grund warum wir überhaupt Schildkröten halten.

Allerdings sind meiner Ansicht nach zur besseren Übersicht im Gehege bei der Größe auch nach oben Grenzen zu setzen. In einem mehrere 100 qm großen Freigehege sind die Tiere schlecht zu beobachten und gehen ebenfalls regelrecht „verloren“.

Schildkröten sind auch bei uns verschiedenen Gefahren ausgesetzt. Nicht nur zum Beispiel durch Ratten, Marder oder größere Vögel.

In den Übergangszeiten oder bei länger anhaltenden und bei uns regelmäßig auch kalten Schlechtwetterperioden kühlen die Schildkröten bis auf die Umgebungstemperatur ab.

Bei entsprechend niederen Temperaturen sind die Schildkröten starr und nicht mehr fähig ihren Unterschlupf im Frühbeet oder Gewächshaus aufzusuchen.

Die Tiere graben sich im Gehege ein und müssen dort ausharren bis sie sich bei der nächsten Sonneneinstrahlung wieder erwärmen können.

Hier muss der Pfleger eingreifen können und die Schildkröten notfalls in ihren Unterschlupf zurücktragen. In einem zu großen Gehege ist das Auffinden dieser Tiere sicher sehr aufwändig oder gar nicht möglich.

 

 

Die Gehegeeinfriedung

 

Wie gestalten wir die Gehegeeinfriedung und was für ein Material eignet sich?

Die Gehegeeinfriedung soll für die Schildkröten kein Hindernis darstellen, sondern ihr Streifgebiet als solches schützen.

Eine kerzengerade Bretterwand oder Mauer wird von den Schildkröten immer als störend empfunden.

Die Schildkröten werden an solch einer nackten, geraden, nicht unterbrochenen Einfriedung immer hin und her laufen, einen Durchgang suchen oder gar versuchen das Hindernis zu überklettern.

Haben sich Schildkröten für eine bestimmte Richtung entschieden, kennen die Tiere keine Hindernisse. Sie benutzen den geraden Weg und versuchen sehr beharrlich alles zu überklettern.

Wenn wir die Einfriedung jedoch durch Einbauen von Steinen, Wurzeln, kleinen Erdhügeln, Senken und geeigneter Bepflanzung unterbrechen und die Einfriedung selbst sogar bogenförmig gestalten, wird diese von den Schildkröten nicht als Gefängnismauer sondern während der meisten Zeit als Bestandteil ihres Lebensraumes angesehen.

 

Den Wanderdrang von Männchen auf der Suche nach einem Weibchen und das angeborene Wanderverhalten von Weibchen zur Suche eines geeigneten Eiablageplatzes können wir zwar so nicht verhindern, aber für die Schildkröten wesentlich abwechslungsreicher und interessanter gestalten.

Natürlich fügt sich ganz nebenbei eine geschwungen gestaltete Einfassung auch ansprechender in einen Hausgarten ein, als ein viereckiger abgetrennter Kasten.

 

 

Für diese Einfriedung eignen sich natürlich verschiedene Materialien, sofern sie nicht durchsichtig sind.

Auch Drahtgeflecht ist ungeeignet, da es von den Schildkröten, wie durchsichtiges Material, nicht als Hindernis erkannt wird.

Die Tiere versuchen ständig und mit einer beharrlichen Ausdauer hindurch zu laufen.

Wegen der Wärmespeicherung sind Stein- oder Betonmauern das mit Abstand beste Material. Die Steine müssen ja nicht unbedingt gemauert, sondern können auch trocken aufeinander gestellt werden

Ich denke aber, dass ein Gehege ja nicht nur für einen kurzen Zeitraum sondern, dem Lebensalter der Schildkröten entsprechend, für viele Jahrzehnte haltbar gebaut wird.

Die Einfriedung sollte auf der Gehegeinnenseite je nach Art der gehaltenen Schildkröten etwa 30 oder 40 cm hoch sein.

Ein Versenken der Einfriedung in den Boden halte ich, wenn überhaupt, nur bei schmalen Einfriedungen, wie z.B. Holzbrettern, bei zu kleinen Gehegen oder bei der stark grabenden Vierzehenschildkröte für erforderlich.

Ansonsten gräbt sich bei einem gut strukturierten, ausreichend großen Gehege keine europäische Landschildkröte unter der Einfriedung durch.

Die Tiere betrachten das Gehege bald als ihr Streifgebiet und fühlen sich wohl, sofern nicht ständig irgendwelche Veränderungen und Umbaumaßnahmen vorgenommen werden.

Umbaumaßnahmen sind für die sehr an ihren Aktionsraum gebundenen Landschildkröten immer mit Stress verbunden und durchaus mit einem Herausreissen aus ihrem angestammten Lebensbereich vergleichbar.

Eine Mauer oder eine andere Einfriedung schützt vor Wind und hält die im steinig sandigen Boden gespeicherte Wärme länger im Gehege.

Eine mit dem Gartenniveau ebene durch einen Graben geschützte Einfriedung ist aus diesem Grund nur geeignet wenn das Gehege anderweitig windgeschützt angelegt ist.

 

Wie sollte der Boden eines Schildkrötengeheges beschaffen sein?

 

Gerade dem Boden muss meinem Erachten nach die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Landschildkröten sind als ausgesprochene Kriechtiere ja ständig mit dem Boden in Berührung.

Hier sollten Sie sich wieder an der Natur orientieren. Europäische Landschildkröten leben in der freien Wildbahn grundsätzlich in Biotopen mit sehr steinigen oft auch sehr sandigen Böden. 

 

Das bringt mehrere Vorteile mit sich. Steine und Sand sind hervorragende Wärmespeicher. Von der Sonne aufgeheizt geben diese Materialien die Wärme langsam an die umgebende Luft ab.

Nach einem Regen ist der steinige sandige Boden an der Oberfläche schnell wieder trocken und nicht wie in unseren Breitengraden über lange Zeit feucht.

Die Anlage muss wegen des bei uns oft vorherrschenden Morgentaus und der vielen Regentage relativ grasfrei gehalten werden.

Gras hält die Feuchtigkeit längere Zeit in der obersten Bodenschicht fest.

Ein auf den Regen folgender Sonnentag kühlt den Gehegeboden durch die Verdunstung der Feuchtigkeit zusätzlich noch ab.

Grundsätzlich schadet den Schildkröten zwar Feuchtigkeit nicht. In der Natur, besonders in küstennahen Biotopen ist morgens ebenfalls Tau vorhanden.

Anders als oft bei uns folgt im Süden jedoch ein warmer, ja meist sogar heißer Sonnentag.

Dieser morgendliche Tau ist in der Natur in manchen Gebieten für die Schildkröten sogar lebensnotwendig. Bei unserem Klima leiden die Tiere jedoch nicht an zu trockenem sondern eher an zu feuchtem Wetter.

 

Der Gehegeboden muss bei uns nicht zuletzt auch deshalb schildkrötengerecht aufbereitet werden.

Dazu ist es erforderlich, den Gartenboden auf eine Tiefe von mindestens 20 cm zu entfernen, bei fetten, lehmigen Böden sogar entsprechend mehr.

Mit dem Aushubmaterial kann das Gelände gleich modelliert werden. Je nach Größe der Anlage werden ein oder mehrere Hügel aufgeschüttet und gleichzeitig Senken und Wege geformt.

Das gesamte Gehege wird nun mit einer Sand/Kiesschicht so genannter Betonkies in der Körnung 0 - 16 Millimeter aufgefüllt.

Es handelt sich hierbei um ein Material das in Betonwerken zum betonieren verwendet wird. Hervorragend würde sich hierfür der von mir verwendete Kalksteinbruch eignen.

Hier handelt es sich um zerstossene Kalksteine von der Schwäbischen Alb die ebenfalls in einer Körnung von 0 – 16 Millimetern in manchen Kiesgruben zu beziehen sind.

Leider ist dieses in meinen Augen hervorragende Material aber nicht überall zu bekommen.

Um dennoch einen natürlichen kalkhaltigen Boden zu schaffen, kann auch großzügig Dolomitkalk auf die eingebrachte Sand-/Kiesschicht gestreut werden.

Dolomitkalk ist relativ naturrein und in 20 kg Säcken preisgünstig im Gartenfachhandel erhältlich.

Auf diese nun stark kalkhaltige Sand/Kiesschicht kann wieder ein paar Zentimeter Mutterboden aufgebracht werden.

Der Boden vermischt sich mit der Zeit und so entsteht ein wasserdurchlässiger, schnell abtrocknender lockerer und vor allem karger Bodengrund.

Den Kalksteinbruch decke ich nicht mit Boden ab. Auch dieser vermischt sich jedoch mit der Zeit mit dem darunter befindlichen Boden.

Schon allein die gelbliche Farbe des so aufbereiteten Gehegeboden vermittelt einen mediterranen Eindruck.

Im Frühjahr 2004 haben wir bei unserer Griechenland-Exkursion dieses Schildkrötenbiotop gefunden.

 

Der gesamte Hang bestand aus dem selben Kalksteinbruch nur dass die Körnung von 0 bis Felsengröße reichte.

 

Wichtig ist, dass der Bodengrund im Gehege wie in der südlichen Heimat unserer Pfleglinge auch äußerst karg und nährstoffarm gehalten wird.

Die dort wachsenden Futterpflanzen sollen nicht zu saftigen Kalorienbomben, sondern zu nährstoffarmen, rohfaserreichen zusätzlich möglichst kalkhaltigen und dadurch für unsere Schildkröten sehr wertvollen Futterpflanzen heranwachsen.

 

 

Was für Pflanzen eignen sich?

 

Das Gehege wird mit buschig wachsenden klein bleibenden Pflanzen bepflanzt. Gut eignen sich hierfür natürlich die nicht nur durch ihr Aussehen sondern auch durch ihren Duft einen mediterranen Flair verbreitenden Gewürzkräuter wie Rosmarin, Salbei und Thymian aber auch Heidekraut, Lavendel und alle niedrig wachsenden ungiftigen Heckenpflanzen sowie die Palm- und Keulenlilien. 

 

Ebenso hervorragend sind wilde Brombeere, wilder Wein und Hibiskus sowie Heckenrosen geeignet. Die Blüten, Früchte und Blätter werden von den Schildkröten gern gefressen.

Im gesamten Gehege werden zusätzlich Futterpflanzen und Kräuter aller Art gepflanzt und auch ausgesät.

Landschildkröten lieben alle Lippen- und Schmetterlingsblütler. Kleine Agaven und Opuntien sehen nicht nur südländisch aus, sondern werden ebenfalls gerne gefressen.

Nun noch viele große und kleine Steine, Wurzel- und Baumholz im Gehege verteilt und die neue naturnahe Heimat für unsere Landschildkröten ist fast fertig.

Den Rest besorgt die Natur selbst. Schon bald werden sich verschiedene Pflanzen und Kräuter ansiedeln.

Die Spitzgräser sollten jedoch aus dem Gehege ständig entfernt werden, weil nicht eine Rasenfläche, sondern eher ein „Steingarten“ mit einer Vielzahl an Kräutern und Unkräutern erwünscht ist.

Ideal wäre es natürlich, wenn die Größe des Geheges es zulässt, einen Teil abzutrennen und nur von Zeit zu Zeit für die Schildkröten zum Abgrasen zu öffnen.

So könnten sich die Futterpflanzen nicht nur erholen und nachwachsen, sondern vor allem ausreifen, was für den erforderlichen Rohfaseranteil wichtig ist.

Im Gehege gewachsene und von den Schildkröten abgegraste Pflanzen sind nicht nur von den Inhaltsstoffen besonders den Vitaminen, ungesättigten Fettsäuren und dem hohen Kalkgehalt das bessere Futter, sondern ermöglichen auch der Schildkröte als Weidegänger ihr natürliches Fressverhalten auszuleben. Für das Wohlbefinden und ein artgerechtes Verhalten der Tiere halte ich das für sehr wichtig.

 

In der freien Wildbahn fressen Schildkröten an keinem Futterplatz und auch niemals eine komplette Pflanze sondern jeweils nur Teile davon, laufen weiter und fressen an einer anderen Pflanze.

So ernähren sich Landschildkröten in der Natur automatisch abwechslungsreich und ausgewogen und setzen einen Großteil der aufgenommenen Energie in Bewegung und nicht wie leider oft bei uns in Wachstum um.

Ein Futterplatz im Gehege dient also nur der Arbeitserleichterung des Pflegers und ist bei einer artgerechten Haltung nicht erforderlich.

Im Gegenteil, die Schildkröten gewöhnen sich an diesen Futterplatz und gehen schließlich selbstständig gar nicht mehr auf Futtersuche, sondern fressen womöglich noch sitzend an einem Futtertrog.

Das ist kein natürliches Landschildkrötenverhalten mehr und fördert das in Gefangenschaft leider viel zu oft zu beobachtende viel zu schnelle Wachstum der Schildkröten.

Zusätzlich gereichtes Futter sollte wahllos im Gehege verteilt werden damit die Tiere auch hier ihr natürliches Fressverhalten ausleben können.

Das Gehege sollte aus der Sicht der Schildkröten total unübersichtlich angelegt und wild bepflanzt werden. Eine im Gehege laufende Schildkröte sollte nur einen Geradeausblick von wenigen Metern haben.  

Die Landschildkröten müssen auf ihren Wanderungen ständig Hügel umlaufen oder übersteigen können. Es müssen Pflanzen im Weg stehen und Steine den geraden Durchgang versperren.

Durch die vielen zusätzlichen Wege wird das Gehege bei gleicher Grundfläche wesentlich vergrößert.

Hierdurch laufen sich die Schildkröten auch nicht ständig über den Weg und das Gelände bleibt für die Tiere abwechslungsreich und dadurch interessant.

Schildkröten meiden offenes und freies Gelände. Sie fühlen sich nur in undurchdringlichem Dickicht wirklich wohl.

Sie müssen hierbei einmal von der Sicht der Schildkröten ausgehen. Diese bewegen sich in einer Höhe von nur wenigen Zentimetern über dem Boden und können so jedes Dickicht relativ frei durchqueren.

Sonnenplätze sind zwischen den Pflanzen reichlich vorhanden. 

Bei einer Haltung sozusagen unter freiem Himmel wie es ein normales Wiesengrundstück darstellt, laufen die Schildkröten ständig ruhelos an der Einfriedung hin und her und versuchen auszubrechen.

Ein Ausbruchsversuch ist regelmäßig ein Hinweis darauf, dass sich die Schildkröten in dem ihnen zur Verfügung gestellten Lebensraum nicht wohl fühlen und diesen nicht als ihr Streifgebiet anerkennen!

Ausnahmen bilden natürlich Weibchen auf ihrer angeborenen Wanderung zu geeigneten Legeplätzen.

Damit Sie selbst das Gehege besser begehen können und keine versteckt sitzende Schildkröte gefährden, verteilen Sie größere Natursteine so im Gehege, dass Sie diese als Tritte verwenden können.

 

Mein Schildkrötenhaus und das Innengehege

 

Die Optimallösung zur ganzjährigen „Freilandhaltung“ europäischer Landschildkröten ist, meiner Ansicht nach, ein extra für die Schildkröten gebautes Glashaus.

Die Isolierung ist wesentlich effektiver, was das Heizen in den Übergangszeiten erleichtert.

Aus diesem Grund habe ich vor einigen Jahren mein an eine Wand angelehntes Gewächshaus abgebrochen und auf die zusätzlich isolierten Fundamente ein Glashaus gestellt.

Die Seitenwände sind gemauert. In der rechten Wand ist eine Glastüre eingebaut. Die Vorderfront besteht aus normalen Fenstern mit Dreh-/Kippbeschlag. Das schräg nach oben verlaufende Dach besteht aus Doppelstegplatten.

In den Sommermonaten hänge ich die Fenster auf der gesamten Vorderfront aus, sodass ein offenes Raumklima herrscht.

Das an die Zentralheizung angeschlossene ca. 20 Quadratmeter große Schildkrötenhaus mit einem Raumvolumen von über 50 Kubikmetern grenzt an die Nordwestseite des Geheges.

  

Im Haus steht den adulten Tieren ein etwa 10 Quadratmeter großes und den Jungtieren ein Innengehege mit annähernd zwei Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Durch mehrere Schlupflöcher haben die Schildkröten jederzeit die Möglichkeit, sich ins Außengehege zu begeben.

Im Innengehege befinden sich an zwei Wänden, auf einer Länge von etwa fünf Metern und einer Breite von 40 bis 80 Zentimetern, strohgefüllte Mulden, wo sich die Tiere nachts und während der Ruhezeiten eingraben können. Auf der Stirnseite sind vor den Mulden zur Verdunkelung zwei Holzklappen angebracht.

Im Herbst wechsle ich rechtzeitig das Stroh gegen Buchenlaub aus und die Schildkröten graben sich zur Winterstarre in ihren gewohnten Unterschlupf ein.

  

Wegen der einfacheren Handhabung, besseren Beobachtung und auch wegen des größeren Raumvolumens befindet sich der Boden des Schildkrötenhauses etwa 70 Zentimeter unter dem Niveau der Gehege.

Der auf dem Höhenniveau des Außengeheges liegende Boden des Innengeheges besteht aus tiefgründiger humoser Gartenerde in die etwas Flusssand und der von mir verwendete Kalksteinbruch eingearbeitet wurden. So ist die Oberfläche fest ohne zu verkrusten und die Tiere können jederzeit beliebig tief graben.

Die Innenfläche zur Rückwand hin ist als ansteigender Hügel angelegt. Auch hier habe ich kleinwüchsige mediterrane Büsche gepflanzt und durch viele verschieden große Kalksteine das Gelände unterbrochen.

Obwohl die Pflanzen ohnehin regelmäßig gegossen werden müssen, beregne ich den gesamten Boden fast täglich mit temperiertem Wasser aus der Gießkanne, damit dieser nicht zu stark austrocknet und vor allem innerhalb des Hauses ein Kleinklima mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit herrscht. Durch den Bodenschluss mit den Unterschlupfmöglichkeiten herrscht auch dort ein leicht feuchtes Mikroklima.

Zusätzlich sorgen mehrere wassergefüllte dunkelblaue Tonnen für Luftfeuchtigkeit, puffern mit den massiven Steinmauern die im Glashaus herrschenden hohen Tagestemperaturen und speichern die Wärme gleichzeitig für die Nacht.

 

Eine hohe Luftfeuchtigkeit ist nicht nur für ein gesundes Wachstum sondern auch wegen der luftreinigenden Wirkung für die Atmungsorgane der Schildkröten sehr wichtig.

Die im Vergleich zum Mittelmeerraum bei uns eher trockene Luft ist einer der Hauptgründe warum manche Schildkröten bei uns zu Atemwegsproblemen neigen.

  

An kühlen Tagen in den Übergangszeiten und bei Schlechtwetterperioden oder länger anhaltendem Regenwetter im Sommer können sich die Schildkröten unter mehreren 300 Watt Halogenstrahlern erwärmen und auf die erforderliche Stoffwechseltemperatur bringen.

Die Einschaltzeiten werden über eine Thermozeitschaltuhr geregelt.

Durch die künstliche Strahlungswärme der Halogenstrahler haben die Schildkröten die Möglichkeit die im Bodenseegebiet fehlenden 80 Tage Sonnenschein zumindest von der Körperwärme her auszugleichen. Seit ich für dunkle Regentage und die für die lichthungrigen Schildkröten viel zu dunkle Übergangszeit einen großen 400 Watt HQI-Fluter installiert habe, sind meine Schildkröten in den Übergangszeiten wesentlich aktiver.

Hier muss man wirklich bedenken, dass die Sonne im Mittelmeerraum durch ihren wesentlich höheren Stand eine vielfach höhere Strahlungsintensität hat. Dies bringt nicht nur eine intensivere UV-Strahlung sondern vor allem auch ein wesentlich helleres Licht mit sich. Der Schildkrötenorganismus ist auf diese hohe Lichtqualität angewiesen und kann auf Dauer gesehen nur mit diesem für unsere Begriffe schon grellen Licht gesund funktionieren.

Nachdem auch die natürliche UV-B Strahlung bei uns wesentlich geringer ist setzte ich in den Übergangszeiten neuerdings sogar in meinem Schildkrötenhaus bei den Jungtieren einen UV-B Strahler ein. ( Osram Ultra Vita Lux 300 Watt)

 

Ganz davon abgesehen, dass es sich bei der von mir praktizierten Haltung wohl um die natürlichste Haltung in menschlicher Obhut handelt, habe ich jederzeit, auch bei Regenwetter, die Möglichkeit meine Tiere zu beobachten und zu pflegen.

Die automatische und für die Tiere naturnaheste Überwinterungsmethode ist auch für mich selbst ausgesprochen stressfrei.

 

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