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© Manuel Wegehaupt


 

 

Die Aufzucht von Jungtieren

 

Eiablage vom 25.April 2003. Das Ausheben der Grube wurde um 11.00 Uhr begonnen. Um 13.30 war die Grube wieder vollständig verschlossen. Die Eiablage selbst war in 5 Minuten erledigt. Die meiste Zeit wurde für das Graben der exakt bemessenen Grube benötigt. Nach dem Schließen der Grube trampelte das Tier über einen Zeitraum von über 20 Minuten den Boden im Bereich der Grube fest und glättete die Fläche immer wieder mit dem Panzer. Das Gelege umfasste 3 Eier mit einem Gewicht von je 14 gr., einer Länge von 34 mm und einer Breite von 24 mm. 

 

Die ersten Schildkröten sind am 20.Juni, nach 54 Tagen, geschlüpft. 

Bislang sind alle Tiere augenscheinlich gesund und ohne Anomalien.

       

 

Die Unterbringung

Landschildkröten bleiben trotz der Nachzucht in Gefangenschaft Wildtiere und sind auf Dauer nur in einem gut strukturierten Freilandgehege gesund und weitgehend artgerecht zu halten.

Die Haltung in einem Zimmerterrarium lehne ich grundsätzlich ab.

Jungtiere können bis zu einem Alter von drei Jahren nicht in einem großen Freilandgehege untergebracht werden. Die Tiere führen bis zu diesem Alter noch ein sehr verstecktes Leben und kommen nur am Vormittag und Spätnachmittag kurz aus ihrem Unterschlupf heraus, wärmen sich auf, fressen und graben sich alsbald wieder ein oder aber verharren im lichten Dickicht. Ein ausführliches Sonnenbad findet noch nicht statt, weil zum Einen aufgrund der geringen Körpermasse die Gefahr der Überhitzung und Austrocknung besteht und zum Anderen die Gefahr von Fressfeinden entdeckt zu werden sehr groß ist.

Aus diesem Grund würden die Kleinen in einem normal strukturierten großen Freilandgehege „verloren“ gehen.

 

Der Frühbeetkasten, das erste Gehege

In diesen ersten Lebensjahren hat sich als Gehege ein größerer entsprechend eingerichteter Frühbeetkasten gut bewährt.

Das Frühbeet sollte zum Schutz der Schildkröten vor Raubvögeln, Ratten, Mardern oder Mäusen unter den Fenstern zusätzlich mit einem Drahtgeflecht abgedeckt sein. Ein automatischer Fensterheber ist unbedingt erforderlich.

 

Die Sonneneinstrahlung

Die Fenster des Frühbeetkastens werden sobald die Sonne scheint geöffnet. Im Sommer ist unbedingt darauf zu achten, dass ein Teil immer beschattet sein muss, damit sich die Schildkröten die ihnen angenehme Temperatur selbst aussuchen können und nicht die Gefahr der Überhitzung und Austrocknung besteht. Insbesondere kleine Schildkröten gehen ziemlich rasch an Überhitzung ein. Im Sommer entstehen in der prallen Sonne schnell Temperaturen weit über 50° C , was in einem unbeschatteten Behälter für die Tiere den sicheren Tod bedeuten würde.

Um den Schildkröten die unnatürliche und nicht ganz unproblematische Terrarienhaltung zu ersparen sollte das Frühbeet über einige technische Einrichtungen verfügen.

Für die Übergangszeiten im Frühjahr, Herbst und während länger anhaltender Schlechtwetterperioden im Sommer sollte das Frühbeet nachts und auch tagsüber mit zusätzlicher Wärmestrahlung versorgt werden.

Am einfachsten wird dies nachts über eine Thermozeitschaltuhr und einen Elsteinstrahler erreicht.

 

Schildkröten verbinden nur Licht mit Wärme

Auch tagsüber sind in der Übergangszeit die Temperaturen bei uns leider nicht schildkrötengerecht, so dass auch hier mit der Technik nachgeholfen werden muss.

Als reine Umgebungstemperatur genügen tagsüber je nach Jahreszeit zwar 18 bis 30° C aber eben nur als „Schattentemperatur“, das heisst, die Schildkröten müssen tagsüber jederzeit die Möglichkeit haben, sich unter einer Wärmequelle auf ihre Vorzugskörpertemperatur von 35° C aufwärmen zu können.

Hierzu sollte im Frühbeetkasten eine warme Lichtquelle eingesetzt werden. Schildkröten verbinden nur Licht mit Wärme. Direkt im Zentrum unter der Lichtquelle sollte eine Temperatur von mindestens 45 bis 50° C erreicht werden. Die Schildkröten können sich dann die ihnen angenehme Temperatur selbst heraussuchen.

Zum Aufwärmen haben sich bei mir die einfachen 150 und 300 Watt Halogenstrahler bewährt. Die Strahler sind am einfachsten ebenfalls über eine Thermozeitschaltuhr nur einzuschalten wenn die Sonne nicht für ausreichende Strahlungswärme sorgt.

Die Strahler sind billig im Baumarkt zu bekommen, relativ hell und geben ordentlich Wärme ab. (Achtung Verbrennungsgefahr)

Der automatische Fensterheber öffnet bei zu großer Wärme automatisch einen Teil des Frühbeetes und schützt so vor Überhitzung.

Bedenken Sie, dass die angegebenen Umgebungstemperaturen immer im Schatten gemessen werden. In der Sonne gemessen haben wir auch bei uns bereits im März Temperaturen weit über 35° C, sodass sich die Schildkröten an der Sonne genügend aufwärmen können.

Die Schildkröten stellen sich hierzu dem Einfallswinkel der Sonnenstrahlen entsprechend schräg an eine Pflanze oder einen Gegenstand und stecken den Kopf und die Extremitäten weit heraus um eine größtmögliche Oberfläche zu erzielen.

 

UV-B- Bestrahlung ist nicht unproblematisch

Nicht nur wenn die Schildkröten in den Übergangszeiten für längere Zeit bei künstlicher Beleuchtung in einem Terrarium gehalten werden, ist eine Bestrahlung mit einer UV B-Lampe erforderlich. Das kann auch in den Übergangszeiten im Gewächshaus sinnvolll sein. Ohne UV-B-Strahlung kann kein Vitamin D 3 gebildet und damit das aufgenommene Kalzium nicht verwertet werden.

In den letzten Jahren hat sich bei Reptilienhaltern die Osram Ultra Vita Lux 300 Watt bewährt. Die Lampe soll in einem Abstand von 60 cm über dem Terrarienboden angebracht und Schrittweise auf eine Bestrahlungsdauer von anfangs fünf Minuten auf bis zu dreimal wöchentlich 60 Minuten eingestellt werden. Die oft empfohlene Bestrahlung aus einer Höhe von 100 cm und eine kürzere Einschaltdauer bringt zu wenig Bestrahlung.

UV-B-Strahler und Infrarotstrahler sind zweierlei. Infrarotstrahler sind reine Wärmestrahler wie jede handelsübliche Glühbirne auch und geben keine UV-B-Strahlen ab. Als Wärmestrahler sind die Infrarotstrahler bei Schildkröten jedoch nicht zu gebrauchen, da diese zu dunkel sind und Schildkröten nur helles Licht als Wärmestrahlung akzeptieren. 

 

600 Stunden zu wenig Sonne

 

In unseren Breiten haben Schildkröten während ihrer aktiven Zeit im Jahr zum Beispiel am Bodensee ca. 600 Stunden zu wenig Sonne. Es ist deshalb besonders in den Übergangszeiten wichtig, dass die wechselwarmen Tiere genügend Strahlungswärme erhalten um sich auf die erforderliche Körpertemperatur von 35° C aufwärmen zu können. Die Betonung liegt auf Strahlungswärme, weil sich Schildkröten nur mit einer entsprechend hohen Strahlungstemperatur von punktuell 45° bis 50° C schnell und für sie angenehm auf die erforderliche Körpertemperatur aufwärmen können. Eine permanent hohe Umgebungstemperatur von über 35° C empfinden auch Griechische Landschildkröten als zu heiß. Bei einer niedrigeren Umgebungstemperatur kann sich die Schildkröte verständlicherweise nicht auf die erforderliche Körpertemperatur von 35° C erwärmen.

 

Die weitere Einrichtung

Der Bodengrund im Frühbeetkasten besteht aus einer humosen Gartenbodenschicht, welcher etwas Flusssand beigemischt werden kann, damit die Erde locker bleibt.

Alle anderen Substrate halte ich persönlich für ungeeignet, da die Schildkröten das Substrat mit dem Futter aufnehmen und manchmal bei Kalziummangel regelrecht fressen. Bei ungeeignetem Substrat kann ein Darmverschluss die Folge sein.

Der Boden muss ständig leicht feucht gehalten werden und darf nie ganz austrocknen. Man gießt das Wasser am Besten wie ein Regen einfach mit der Gießkanne in das Frühbeet oder Gehege.

Das gelegentlich empfohlene Besprühen erhöht zwar kurzfristig die Luftfeuchtigkeit durchfeuchtet den Boden jedoch nicht.

Als Unterschlupf kann alles dienen worunter sich die kleinen Schildkröten eingraben und verstecken können, halbierte Blumentöpfe oder Korkrinde genauso wie eine Schicht Stroh. Die Schildkröten nehmen jeden Unterschlupf sofort an, weil sie sich in engen, dunklen Verstecken in denen der Panzer Berührung hat, sicher fühlen.

Gut geeignet ist auch ein selbst gezimmertes Holzhaus mit Strohfüllung, möglichst mit Deckel zum öffnen.

Zusätzlich sollte die gesamte Fläche des Frühbeetes gut bepflanzt und mit einer mehreren Zentimeter hohen Strohschicht bedeckt sein. Zum Einen brauchen die kleinen Schildkröten dieses relativ feuchte Mikroklima unter dem Stroh, zum Anderen können sich die Schildkröten so, wenn sie einmal auf den Rücken gefallen sind problemlos selbst wieder umdrehen. Die Schildkröten fühlen sich im lichten Dickicht auch wohler und vor allem sicher.

Das Stroh muss wegen der Schimmelbildung in dem feuchten Klima öfters ausgewechselt werden.

Schildkröten leben in der freien Wildbahn immer im Schutz von Sträuchern, Grasbüscheln und Wurzeln. Freies Gelände verschafft, insbesondere Schlüpflingen Stress durch ausgesprochenes Unbehagen, das sich durch ständiges zielloses umher laufen äußert. Ein solches Verhalten ist für Schildkröten unnatürlich.

 

Die Ernährung von Jungtieren

In einer sehr flachen Schale muss ständig frisches Trinkwasser vorhanden sein. Blumenuntersetzer aus Ton sehen nicht nur ansprechend aus, sondern bleiben aufgrund des Eigengewichts auch besser stehen.

Nicht nur zur Dekoration und als weitere Versteckmöglichkeiten können aus einer Wiese ausgereifte Wildkräuter wie Löwenzahn, Klee, Wegericharten, Gänsedisteln, Gänseblümchen, Vogelmiere,  und Zaunwicken ausgestochen und nach dem Abgrasen immer wieder neu in den Behälter eingepflanzt werden. Hierzu eignen sich auch kleine Agaven. Sie sehen schön aus und werden ebenfalls sehr gern gefressen.

Gefüttert wird ausschließlich mit frischem Grünfutter Blüten aller Art wobei unbedingt auf das Kalzium: Phosphor-Verhältnis geachtet werden sollte sowie hochwertigem, kräuterreichem Heu aus eigener Herstellung oder Heupellets. Sehr gerne werden auch Löwenzahnwurzeln und gelbe Rüben gefressen.

Die Bedürfnisse der kleinen Schildkröten sind natürlich genau die gleichen wie bei den erwachsenen Tieren, nur haben verständlicherweise Haltungs- und Fütterungsfehler bei einem Jungtier von nur wenigen Gramm Gewicht schwerwiegendere Folgen als bei einem ausgewachsenen Tier.

Für eine ausgewogene Stoffwechseltätigkeit ist es ausgesprochen wichtig, dass die Tiere immer genügend Flüssigkeit aufnehmen. Das geschieht zum Einen über den Panzer und die Haut durch das feuchte Substrat in das sich die Schildkröten eingraben und zum Anderen durch ein wöchentliches Bad in der Trinkschüssel.

 

Die Kalkversorgung

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kalkversorgung. Die Landschildkröten leben in der Natur ausschließlich in kalksteinhaltigen Gebieten und nehmen so über die kalkhaltigen Futterpflanzen und das Trinkwasser bereits einen Großteil an Kalk auf den sie so bei uns normalerweise nicht bekommen. Den restlichen Kalk besorgen sich die Schildkröten durch Fressen von Kalksteinen, Schneckenhäusern, Vogeleischalen und herumliegenden Knochen selbst.

Diesbezüglich wissen die Tiere besser wie viel sie brauchen und wie viel ihnen gut tut.

Es ist grundsätzlich abzulehnen, wie oft empfohlen, irgendwelche Kalk- oder Mineralpräparate über das Futter zu streuen und die Tiere so regelrecht zu zwingen unkontrolliert Kalk aufzunehmen. Die richtige Dosierung kann so nicht erreicht werden, weil über diese überhaupt noch nichts bekannt ist und ja niemand weiß, wie viel Kalk anderweitig aufgenommen wurde. Allerdings ist auf der anderen Seite wissenschaftlich noch nicht erwiesen, dass ein zuviel an Kalk notwendigerweise auch Schäden verursachen muss. Eine kontrollierte Kalkzufuhr, bei durch den Tierarzt festgestelltem Kalkmangel ist deshalb im Einzelfall sicher möglich.

 

Die Vitaminversorgung

Die Vitaminversorgung wird über das Futter -nur frisches Grünfutter enthält die nötigen Vitamine und Provitamine- und die Mikroorganismen der Darmflora sowie über die Haut in Verbindung mit Sonneneinstrahlung von selbst geregelt und bitte nicht durch irgendwelche Präparate oder Tropfen. Die schaden den Schildkröten mehr als sie nützen.

Eine Zufütterung von Vitaminen oder die bei reptilienunerfahrenen Tierärzten so beliebten Vitaminspritzen sind unbedingt zu unterlassen. 

  

Die Winterstarre

Entgegen aller anders lautender Ratschläge halten junge Schildkröten und auch Schlüpflinge die gleiche Winterstarre wie ihre älteren Artgenossen. Alle Schildkröten ob groß oder klein leben in der Natur miteinander im selben Habitat und sind den gleichen Temperaturschwankungen unterworfen.

Die Natur macht da keinen Unterschied, warum sollten wir das tun?

 

Können verschiedene Schildkrötenarten miteinander gehalten werden?

 

Auch wenn man später nicht züchten will, sollten immer nur gleiche Arten und Unterarten zusammen in einem Gehege gehalten werden.

Die Lebensweisen der einzelnen europäischen Landschildkröten Arten weichen zwar nur geringfügig voneinander ab, dennoch stören sich die Tiere durch andere Schlaf- und Fressgewohnheiten. Die andere Art wird aufgrund des fremden Geruchs immer als Eindringling ansehen werden. Das Paarungsverhalten ist ebenfalls unterschiedlich und kann auch zu Verletzungen führen wenn sich Männchen einer größeren Art mit Weibchen einer kleineren Art paaren wollen. Schildkrötenmännchen können sehr aufdringlich sein und hören oft nur mit dem Balzen auf, wenn das nicht bereitete Weibchen erfolgreich flüchten konnte.

 

Verschiedene Arten reagieren auch auf Krankheiten unterschiedlich. Bei der einen Art bricht eine Krankheit aus. Die andere Art trägt einen Krankheitserreger lebenslang unbeschadet in sich.

Selbst bei der selben Unterart kann es zu Problemen kommen wenn zu viele Tieren in zu kleinen Gehegen gehalten werden oder zu junge Tiere mit adulten vergesellschaftet werden. Insbesondere an „Futterplätzen!“ kann es durchaus vorkommen, dass kleine Tiere versehentlich gebissen und durchaus auch schwer verletzt werden können. 

Schildkröten haben eine sehr geruhsame Lebensweise und sind aus diesem Grund sehr stressanfällig. Jede Beunruhigung egal welcher Art bringen sie schnell aus dem Gleichgewicht.

 

Natürlich weiß auch ich, dass seit vielen Jahrzehnten von vielen Haltern, vermeintlich erfolgreich, verschiedene Schildkrötenarten zusammen gehalten werden.

Solche Schildkröten werden jedoch nicht artgerechtes gehalten. Die Tiere sind in ihrem Verhalten abgestumpft, die Sinnesorgane und Instinkte sind verkümmert.

Schildkröten sind nicht in der Lage Gefühle auszudrücken. Der Selbsterhaltungstrieb zwingt sie zu fressen und weiterzuleben. Aber glücklich sind diese Tiere sicher nicht.

Landschildkröten dürfen nicht mit Sumpf- oder Wasserschildkröten zusammengehalten werden. Alle Feuchtgebietsbewohner können Träger von Parasiten sein welche für Landschildkröten gefährlich werden könnten.  

Auch andere Tiere wie Hasen oder Meerschweinchen eignen sich keinesfalls für die gemeinsame Haltung in einem Schildkrötengehege. Schildkröten werden in ihrer geruhsamen Lebensweise ständig durch die lebhaften Nager in ihrem Verhalten gestört. Auch hier kommt wieder Stress mit allen Nebenerscheinungen auf.

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